Das Mädchen mit den Schwefelvulkanen
2026-08-02 von frischnetz | Comments (0)
2026-08-02, Tomohon, Minahasa, Sulawesi Utara: Nach einem Frühstück mit gelbem Reis und Beilagen sind wir zu zweit auf einem Roller losgeknattert, um den Mahawu zu besteigen, desr nur gut eine Viertelstunde entfern ist. Die Straßenstrecke geht schon den größten Teil des Berges rauf, dann kommt der Posten mit dem Eintritt für diesen Naturpark und eine durch den Wald geführte Betontreppe mit zu 45% verottetem Geländer bis zum Kraterrand. Es gibt eine kleine Beobachtungsplattform, die auch nötig ist, weil 2m hohes Gras den Blick in den 150m tiefen Krater verdeckt. Man kann den Krater auf dem Rand komplett umrunden, was wir auch gemacht haben. An einigen Stellen hat man dann auch etwas besseren Blick in den Krater oder auch nach Manado. Selbst die Inseln Manado Tua und Bunaken, wo wir vor vier Jahren waren, konnte man sehr erkennen. An einer Stelle mit gutem Blick in den weißen, trockenen Krater (mit leichtem Schwefelgeruch) verbot ein Schild ausdücklich selfies und Fotos. An dem anderen Abschnitt des Weges, bei dem zum Krater hin schon einiges abgebrochen war, so dass es neben dem Weg praktisch senkrecht runtergeht, gab es hingegen keine Warnung. Trotzdem sind wir eher flott vorbeigegangen.
Nach dem Rückweg und dem Abstieg zum Roller sind wir kurz zuhause vorbeigefahren, weil die Unterkunft praktisch auf dem Weg lag und wir noch eine Flasche mit kaltem Oatmilk-Gula-Aren-Kaffee im Kühlschrank hatten.
Nach den kleinen Kaffee-Intermezzo brummten wir Richtung Süden zum Danau Linow. Kurz bevor wir ihn erreichten, fuhren wir an einem Geothermalkraftwerk vorbei, vom dem aus dicke Wasserrohre durch die Landschaft gelegt wurden, ein leicht skurriler Anblick.
Der Danau Linow ist ein kleinerer, von Wald umgebener See, der heute in intensivem Türkis-Grün leuchtete. Je nach Wind und Eintrag kann er wohl aber auch braun, blau oder auch rot werden. Da er an einigen Stellen einen ziemlich niedrigen pH-Wert haben soll, ist Baden hier streng verboten. Die zahlreichen weißen Reiher, die am Ufer standen, scheinen zumindest an den Füßen kein Problem damit zu haben.
Wenn man etwas weiter um den See herumfährt, kommen an einer Stelle an ein Bereich mit großen, heftig schweflig blubbernden Schlammtöpfen und dampfenden Fumarolen mit Schwefelkristallen. Wenn man über diese in Kaskaden aufgebaute Fläche läuft, blubbert und zischt es ständig um einen herum. Einige der Becken sind mit grauem, heftig siedendem und spritzendem Wasser gefüllt, andere mit dickem dunklem Schlamm, dessen Oberfläche durch große heiße Gasblasen aufplatzt und Schlamm in grotesken Formen durch die Luft wirft. Die Erde um diese Fumarolen leuchtet in vielen Rot-gelb-grau-Tönen, ist aber vornehmlich weiß. Und auch die Uferbereiche des Sees unterhalb sind oft hellgrau, die Pflanzen durch die Säure abgestorben. Ein unwirklicher Ort, der wahrscheinlich an einem nebligen Morgen noch deutlich bizarrer wirken dürfte, wir hatten aber helle Mittagssonne bei blauem Himmel (nicht dass ich mich beschweren will).
Letzte Station heute war ein seltsamer Ort auf einem Berg mit hohen Palmen, der durch lauter Bambus-Hütten, Treppen und Sitzplatzformen ein wenig wie ein filmreifes Piraten-Versteck aussah. Wir haben anfangs nicht so recht verstanden, was der Sinn dieses Ortes war. Er war eindeutig drauf eingerichtet, dass sich hier viele Leute gesellig treffen können. Dafür waren wir am Sonntag-Spätnachmittag aber eindeutig zur falschen Zeit da. Später haben wir dann verstanden, dass dies ein Platz ist, an dem in großem Maßstab Palmwein gebraut und auch destilliert wird. In einigen von den Hütten waren Brennblasen und an anderen tropfte klarer Schnapps aus Bambusrohren in bauchige Flaschen. Wir haben die hiesige Palmwein-Variante (in der alkoholfreien Version) probieren dürfen. Ganz OK, auf jeden Fall süßer als das Zeug aus Toraja. Die einfach destillierte Version mit 45% haben wir aber gemieden. Es gag auch eine Version mit 70% Alkohol. Um einigen indonesischen Gründen den Alk-Gehalt zu demonstrieren, hat die Frau vom Ausschank ein wenig auf den Tisch gekippt und angezündet. Sehr gute Idee in einer Bambushütte!
Abendessen gabs dann wieder im Café bei unserer Unterkunft. Die Preise sind hier auch deutlich normaler als in der letzten überteuerten Unterkunft. Sehr praktisch, dass es das hier gibt, ein angenehmer Ort.
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