Beerdigung in der Sardinendose
2026-07-21 von frischnetz | Comments (0)
2026-07-21, Rantepao, Sulawesi: Ritha hat uns heute morgen eine längere Strecke in den Südwesten gelockt. Ziel war ein anderes, ziemlich altes Toraja-Haus, diesmal eines, dass statt Bambus mit Steinen gedeckt war. Und zwar nicht mit dünnen Schieferplatten, sondern grobe, dicke, mindestens 10 Kilo schwere Steinplatten mit einem kleinen Loch, durch welches die Platte mit Rattan am Holzrahmen befestigt wird. Damit hat man dann den Vorteil eines extrem langsam rottenden mineralischen Daches durch ein organisches Material abgeschwächt.
Das Haus steht auf einer großen Steinstufe, wie hier so oft die Dörfer wegen der Topographie aufgebaut sind. Auf der obersten Stufe stehen die Häuser der Familie, der dieses Grundstück gehört. Wir waren die einzige Besucher hier. Die Gegend hier ist etwas weitläufiger und weniger durch kleine Waldstücke unterbrochen, aber trotz allem immer noch sehr schön.
Wir sind dann wieder ein ganzes Stück zurück Richtung Rantepao gefahren und haben vor Ke’te Kesu’ gehalten, einem Dorf, welches wir schon vor vier Jahren einmal besucht haben, es gehört zu den Standard-Touristenzielen hier. Diesmal war es aber kaum wiederzuerkennen, weil es für die Beerdigung von Palidan Sarungallo um eine Menge Besuchertribünen erweitert worden war. Und es war voll! Sowohl von Indonesiern aus der Ober- und Mittelschicht als auch von Touris. Dies war ein gesellschaftliches Event.
Auch wenn viele Elemente wie bei den anderen Beerdigungen vorhanden war, war der Ablauf deutlich anders. Hier wurde erst in einem großen Kreis um den Tau Tau und Sarg des Toten getanzt und gesungen, dann wurde die Sänfte zusammengesetzt und ähnlich chaotisch unter Geschrei, Kampfrufen und regelmäßigem Stampfen und Rütteln der Säfte durch den viel zu engen Weg vom Dorf zur Straße getragen. Es gab wieder ein Reihe Frauen, die alle unter dem langen roten Tuch vorangingen und jedesmal heftig ausgebremst wurden, wenn die Männer mit der Sänfte mal wieder irgendwo gegen gelaufen sind oder mal wieder eine Rüttelrunde eingelegt haben.
Wir sind diesmal die Runde nicht mitgegangen, das war alles gleichzeitig viel enger und voller. Wir konnten das Spektakel aber gut von einem Hügel beobachten, an dem der Zug dann später sowieso vorbeikommen sollte. Auch viele Büffel waren hier angebunden und von irgendwelchen Schlachtungen lagen hie und da auch noch ein paar blutige Fleischstücke auf dem Boden. Während der Wartezeit haben wir uns gut mit einem französisch-balinesischen Ehepaar unterhalten.
Irgendwann kam der schwarze, leicht wahnsinnige Haufen wieder zurückgerollt, quetschte sich lautstark zwischen Häusern und Autos und Souvenierständen durch und nahm Richung auf uns. Ein kriegerisch verkleideter älterer Mann tanzte währenddessen bedrohlich auf dem Weg, um sie in Empfang zu nehmen. Er hatte ein Funkmikro hinter seinem Schild und stieß immer wieder Schreie und Rufe aus, die dann über das ganze Gelände schallten. Manchmal wurden aber auch einfach nur Touristen erschreckt.
Die Prozession hat sich dann tatsächlich unter Gerufe und Wasser-Gespritze den steilen schmalen Weg auf den Hügel hochgearbeitet und oben den Sänftendeckel abgenommen, den geschnitzten Sarg herausgenommen und mit vielen »Satu, dua tiga!«-Rufen auf einen kleinen improvisierten, aber stark geschmückten Bambusturm gewuchtet. Anschließend hat ein ernst dreinblickender Zeremonienmeister dann den Turm bestiegen und hielt eine lange Rede zum Gedenken des Toten. Das war ein guter Zeitpunkt, um woanders hin zu fahren. Es ging ein ganzes Stück nach Süden, vorbei am Ort der gestrigen Beerdigung und auch über eine kleine Straße, die wir vor vier Jahren schonmal langgefahren sind, zu einem netten Panoramarestaurant, wo wir gebratenden Fisch und Satay gegessen haben.
Letzte Station war dann zur Abwechslung mal ein Jesus, genauer Patung Tuhan Yesus Memberkati bei Makale, mit 40m immerhin höher als der aus Rio. Er steht auf einer Plattform und einem mehrstufigen Podest. Um einen Teil der Plattform gab es auch mal einen Skywalk mit Glasboden, aber da der schon nach ein paar Monaten kaputt war (augenroll), konnten wir den doppelten Nervenkitzel leider nicht erfahren. Dafür gab es nette Aussicht über das Tal und Ruhe, wobei man immer ein wenig von oben beobachtet wurde.
In gut einer halben Stunde sind wir dann auf einer größeren, volleren und leider auch nicht so malerischen Strecke zurück in die Stadt gerollt, haben die Wäsche abgeholt und uns von der guten Ritha verabschiedet. Letzte Aktion war dann nur noch ein kurzer Gang zum Geldautomat, um 5 Millionen Rupiah abzuheben und 30000 davon in eine neue Kappe zu investieren, die nicht NYC oder andere offensichtliche Werbung enthielt. Auf der neuen steht einfach nur »offline«.
Und das bin ich auch gleich.
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