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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Bulls hit!

2026-07-20, Rantepao, Sulawesi: Erster Stopp auf der heutigen Tour war eine kleines, unscheinbares und auf steilen, schlechten Straßen auch schwer erreichbares Holzhaus. Es gehört aber zu den ältesten hier und ist in einem Vorgängerstil zu den Aktuellen Tongkonan gebaut worden. Es hat mittlerweile einen Schutzstatus, wird aber trotzdem selten besucht. Es steht neben dem normalen Wohnhaus eines freundlichen, aber skeptisch guckenden Mannes mit diversen angeleinten Kampfhähnen im Vorgarten. Es ist ziemlich klein und hat drinnen gerade Platz für eine Feuerstelle und einen Schlafplatz. 

Da die die Tankstelle kurz vor uns dicht gemacht hat, weil es keinen Sprit mehr gab (schon um 9:30!), haben wir den etwas teureren Sprit aus Glasflaschen direkt am Straßenrand gekauft. Während zuhause der Sprit dank Trump teurer wird, wird er hier seltener – bei gleichem Preis (50 Cent pro Liter). Die Folge sind oft lange Schlangen an Tankstellen.

Mit dem Straßenbenzin sind wir dann zur Beerdigung von Chrispina Rungu gefahren. Wir haben die Roller schon außerhalb abgestellt, weil Ritha wusste, dass hier die Prozession vorbeikommt. Es liefen auch schon viele gleichgekleidete Frauen hier herum. An einer Nebenstraße haben wir dann mit vielen anderen gewartet. Einige haben den Live-Stream zur Beerdigung auf ihren Telefon angeschaut, um zu sehen, wann die Wagen bei uns vorbeikommen. Es kam dann aber zuerst eine lange Kolonne von Mopeds, dabei auch einige Spinner, die ihren Auspuff (»Knalpot«) so manipuliert haben, dass er so unfassbar laut wurde, dass nicht auszuhalten war. Das hat nichts mit den Knatterfreunden aus der Heimat zu tun, das ist hier mindestens 4 Größenordnungen lauter gewesen. 

Nach einer Reihe Pritschenwagen mit je einem oder zwei Wasserbüffeln drauf, kam der Laster mit dem Sarg im unteren Teil der Sänfte.

Er hielt genau hier, der Sarg in der Sänfte wurde abgeladen und der separat angelieferte Dach-Deckel wurde aufgesetzt und mit Bambusfasern festgeknotet. Dann unten noch ein Tragegitter aus Bambus untergebaut, das lange rote Tuch angeknotet und der zu-Fuß-Abschnitt der Prozession konnte starten. Wie immer ist das eine extrem spaßige Angelegenheit, die Leute rufen, feuern sich an, bespritzen sich mit Wasser und bugsieren die schwere Sänfte immer so 25m am Stück weiter (oder bis zu einer Stromleitung, die dann mit einem Ast aus dem Weg gedrückt wird. Das lange rote Tuch wird derweil von vielen schwarz gekleideten Frauen getragen. 

Das ganze ist eine ziemlich chaotische Veranstaltung. Mehr als einmal schien der Zug so halb zu entgleisen und in Häuser zu krachen oder Zuschauer von der erhöhten Straße in die Reisfelder zu werfen.

Im Dorfplatz zwischen schönen Tongkanon (und mit vielen extra aus Bambus angefertigten temporären Tribünen) sah es dann erst so aus, als wenn der Zug komplett gecrasht ist, aber das gehörte wohl so. Der Sarg wurde abgeladen und eine steile schmale Treppe hoch in das Haupthaus getragen. Es gab Reden (über eine sehr laute Lautsprecheranlage), eine Predigt von zwei christlichen Priestern und Tee oder Kaffee für alle Besucher, der von den rot gekleideten Helferinnen verteilt wurde.

Auf dem Platz standen mehrere nummerierte Wasserbüffel. Die Nummer 1 hat sich wahrscheinlich gefreut, die Nummer 1 zu sein. Bis sich herausstellte, was das für eine Reihenfolge ist. Ein Mann in Sarong nahm den Büffel am Seil, drehte in richtige Position, zog ein großes Messer aus dem Sarong und schnitt ihm mit einem Hieb unzeremoniell die Kehle durch. Blut spritze, der Büffel zuckte, sprang kurz herum, landete aber schnell am Boden und verendete zuckend. Wenigstens ging es einigermaßen schnell, aber schön war es nicht.

Kaum richtig ausgezuckt, fingen mehrere weitere Leute mit Messern gleich an, ihn zu häuten und zu zerlegen. Das Fleisch wurde etwas später dann in eine große, waagerechte Metalltonne gesteckt und ein Feuer darunter entzündet. Das brodelte dann erstmal eine Weile. Auf das Zerlegen nach Metzgerart und Aufteilen nach Muskel- oder Steaksorten wurde kein Wert gelegt.

Wir haben dann auch noch einen Blick hinter die Kulissen geworfen, insbesondere das Bambus-Küchenzelt, wo eine fleißige Armada von Frauen auf Plattformen sitzend, Unmengen Geschirr abwusch und sortierte, Kekse in Plastikdosen füllte, das in Bambusrohren über Feuer gegarte Schweinefleisch in Servierbehältnisse füllte, in riesigen Töpfen Reis kochte, Reiswein aus großen Kanistern umfüllte  und vieles mehr. Die ganze Küche wirkte wie eine sehr gut geölte Maschine. Wir wurden sehr freundlich begrüßt, aber die Maschine stoppt nicht. Wir haben den Reiswein probieren dürfen, er sieht milchig aus, ist säuerlich und etwas herb. Nicht schlimm, aber nicht unser Favorite.

Wir haben uns dann auch in eine der Tribünenboxen gesetzt und zuerst Kekse bekommen (vor allem die wie kleine Kackwüstchen aussehenden, aber total leckeren Deppa Tori) und später dann das ganz furchtbar aussehende Schweinefleisch aus den Bambusröhren. Es war nur recht wenig gewürzt und bestand aus undefinierten Stücken mit Knochen und allem. Geschmack war aber nicht schlecht. Auch der etwas anders gewürzte Schweinebauch war nicht schlecht, bestand aber nur aus Fett. Dazu gab es Reis, gegessen wurde mit der Hand aus einem auf bestimmte Art gefalteten Stück beschichteten Papiers.

Auf dem Platz wurde dann von meist gleich gekleideten ältere Männern mit Hüten ein Kreis geformt. Sie sangen und bewegten sich im Gleichtakt dazu.

Das konnten die Frauen natürlich nicht auf sich auf sich sitzen lassen und führten in sehr viel aufwändigeren Kostümen eine aufwändigere Choreographie mit sehr viel aufwändigeren Gesang auf. Und das alles, während die Männer noch sangen und tanzten!

Schließlich haben wir den Platz verlassen und sind etwas weiter zum Büffelkampfplatz gefahren, der aus einem mit Bambus sehr gut gebauten temporären Kampfplatz bestand. Sehr viel Zuschauer säumten alle Seiten. Wir hatten einen guten Platz auf dem Boden direkt am Baumbuszaun.

Gezählt wird, ob ein Büffel den anderen zum Weglaufen bewegen kann. Der erste Kampf endete, als »Jeruk Manis« (Limone) vor seinem Gegner mehrfach verlor und dann sogar noch seinen Besitzern davonrannte.

Der zweite Kampf war auch recht öde, aber bei Nummer drei ging es heiß her, keiner wollte aufgeben. Sie drehten ihre Köpfe so weit nach unten, dass die sonst nach hinten gerichteten (und jetzt angespitzten) Hörner nach vorne gerichtet waren. Sie drückten Ihre Körper gegeneinander und verdrehten die Hälse, bis sogar etwas Blut floss. Das Publikum war elektrisiert und der spätere Sieger (Mallone?) wurde angefeuert. Keine schlechte Show, aber nicht unbedingt besonders tierfreundlich.

Auf dem Rückweg haben wir zufällig unseren Guide von vor vier Jahren (Ino) getroffen, der uns gleich freudig begrüßte. Mit ihm werden wir übermorgen eine Tour machen.

Dann ging es nur noch zurück nach Rantepao, unsere vier Kilo Wäsche aus der Wäscherei abholen (kostete weniger als ein EUR) und Kaffee und Mangosaft im Aras-3-Café.

Abendessen gab es in Randan Uma Coffee Roastery. War OK, aber die Portionen waren riesig. Und es war kein Büffel.


Den aufgezeichneten Livestream gibt’s übrigens auf Youtube.


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