Baum? Boot!
2026-07-14 von frischnetz | Comments (0)
"at2026-07-13, Bira, Sulawesi: Während der kleine Hund heute wieder frech Seehund gespielt hat, hat der große Hund seinen Magen-Darm heute durch Ausschlafen und den Strand bewundern geschont. Wenn man die ca. 20m Treppe von unserer Unterkunft hinuntersteigt, steht man auf einem wunderbaren weißen Sandstrand mit einigen extrem scharfkantigen Karsch(Haha)-Felsen, die teilweise mit großen Muschel-Fossilien gespickt sind.
Nach einer kleinen Mittagspause haben wir die zwei gemieteten Scooter besattelt und gen Norden geritten, auf einer ganz gut ausgebauten Landstraße mit wenig Verkehr zu einem kleinen Ort mit lauter kleinen, aber manchmal lauten Pinisi-Werften. Pinisi sind zweimastige Holzsegelboote unterschiedlicher Größe, die seit Jahrhunderten von Fischern und Händlern, heutzutage aber auch oft als Ausflugsschiffe für Liveaboards eingesetzt werden. Die Bauweise geschieht praktisch ohne große Maschinen komplett von Hand, natürlich ohne jegliche Schutzausrüstung oder immissionsschutz auf abenteuerlich zusammengezimmerten Gerüsten und ist in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.
Ein langer Strandabschnitt in diesem Dorf ist allein dem Schiffbau gewidmet. Eine kleine Werft liegt neben der anderen, An Tauen am Strand hängen Boote, die auf Grund liegen und renoviert oder nach dem Stapellauf fertiggebaut werden. Für das größte Boot wurde der Stapellauf vorbereitet: Eine Gruppe von Arbeitern bauten dazu aus Sandsäcken eine Rampe zum Meer. Allein das wird 1–2 Monate dauern. Und dann wird das Boot Zentimeter um Zentimeter bei Ebbe auf den Strand gezogen. Absolut beeindruckend. Und natürlich wurden wir überall von den auf den ersten Blick immer sehr grimmig und düster aussehenden Leuten freudig begrüßt und nach unserem Land befragt.
Zwischen den Werften gab es ein kleines Open-Air Sägewerk, in dem die angelieferten Bäume direkt in dicke und dünne Holzbalken verwandelt werden. Das Dorf selbst besteht aus vielen kleinen, teilweise bunten Holzhütten, meist mit einem Holzzaun und oft mit Utensilien zum Bootsbau im Garten.
Nach einem Kaltgetränk an einem Alfamart sind wir dann zurückgefahren und wollten die eindeutig auf den Google-Satellitenfotos als breite Straße erkennbare, küstennahere Strecke nutzen. Aber sie entpuppte sich als ziemliche Holperstrecke aus zerbröselndem Beton und Schotter. Immerhin haben wir noch ein paar nette abgelegene Hamlets gesehen. Die erste Abzweigung, die wir später nehmen sollten, um wieder auf die Hauptstrecke vom Hinweg zu kommen, entpuppte sich dann als Trampelpfad durchs Gebüsch und wir dachten beide nur »Nein.«
Die viel breitere zweite Ausweichstrecke, die auf einem etwas längeren Weg zur Hauptstrecke führen sollte, war eine Mogelpackung, denn nach kurzer guter Fahrt führte sie als Pfad über eine für eine Ebene sehr unebene Ebene aus Karsch-Gestein, welches ein wenig überwuchert war, aber sich ganz eindeutig weder für Landwirtschaft noch für Hausbau und überhaupt nicht für Motorradfahrten eignet. Den Einheimischen war das aber egal und wir wurden durch die Tatsache, dass es tatsächlich sporadischen Gegenverkehr gab, dahin bestärkt, diese wirklich lachhaft schlechte Strecke weiterzufahren. Immerhin war es eine interessante Landschaft.
Schließlich sind wir an der sehr sehr dick asphaltierten Hauptstrecke angekommen und dann deutlich flotter wieder in unser Camp gerollt.
Abends haben wir dann noch nett mit einigen Gästen und den Besitzen und Managern auf der Terrasse gesessen und gequatscht. Wirklich eine nette Gesellschaft hier!
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