Day of the Triffids
2025-08-25 von frischnetz | Comments (1)
2025-08-25, Bukittinggi, Sumatra, Indonesien: Blauer Himmel, wie nett! Nach einem Frühstück (leider ohne Kopenhagener, verpasste Chance!), informierte uns unser Gastgeber, dass eine Rafflesia arnoldii gerade nicht allzuweit entfernt im Wald blüht, das sollten wir uns nicht entgehen lassen, schließlich sind diese Totalschmarotzer nicht nur die größten Blumen auf der Welt (Nein, Norbert: Titanwurz ist genaugenommen keine echte Blume), sie sind auch die übelriechendsten! Nichts wie hin!
Mit unseren Muppets (Mopeds) sind wir also eine Viertelstunde nach Norden in die etwas bergigere Umgebung gefahren, wo uns schon der Informierte Guide in Empfang nahm. wir fuhren dirch ein nett in einem flachen Tal gelegenes Dorf und gingen dann vorbei an den vielen Reisfeldern einen schmalen Weg hoch Richtung Wald. Am Weg wuchsen Kardamom, Zimt, Gewürznelken, Vanille, Lemongras und andere Gewürze, wie die Hauptzutat von Tigerbalm. Bei den meisten Pflanzen konnte man das Aroma schon erraten, wenn man nur ein Blatt zwischen den Fingern zerrieb.
Recht nah am Weg ging es ein paar Meter in den Wald und da lag am Boden (das ist normal) wie eine Alien-Blume die Rafflesia, rot, seltsam geformt und leider fast komplett geruchslos …
Hinter uns rollte ein TV-Team an, welches wohl gerade eine Doku über diese Pflanze und generell die Sehenswürdigkeiten dieses Tals drehen. Der weibliche Hund wurde interviewt und hat damit einen weiteren Schritt zur Fernsehkarriere in Asien gemacht.
Unser Guide erzählte uns, dass es in dieser Gegend sogar Tiger gibt, diese seien aber extrem scheu. Mit einer Wildkamera wurden hier im Dschungel aber vor ein paar Monaten eine ganze Familie mit fünf Tieren gefilmt. Unter dem Sound von singenden, aber leider unsichtbaren Gibbons ging es wieder zu den Muppets.
Halt: vorher noch ein Stopp in dem Café, vor dem die Guides die Muppets strategisch günstig geparkt habe. Die Besitzerin ist eine lokale Berühmtheit, nachdem sie Gordon Ramsey erklärt und demonstriert hat, wie man Kopi Luwak macht. Genau: der berühmte Kaffee, der vor dem Rösten einmal durch den Verdauungstrakt von Zibetkatzen gewandert ist. Das besondere hier ist, dass die Zibetkatzen hier tatsächlich wild lebende Tiere sind und nicht, wie z.B. auf Bali meist eingesperrte Tiere, die mit Kaffeekirschen gefüttert werden. Die Kaffeebauern haben rings um ihre Plantagen eine Freifläche, damit sie die Kaffeekatzenkacke leicht finden und vom Boden klauben können.
Katzenkackekaffee? Wir haben natürlich sofort eine Probetasse getrunken und ja: er schmeckt kagge erstaunlich mild, komplett ohne Bitternis und ohne Säure. Einfach nur reiner Kaffeegeschmack.
Nächstes Ziel war das Harau-Tal, etwa 50km weiter nach Osten. Die Strecke sollte eigentlich vor allem über große Straßen gehen, aber nach etwas Suche auf Maps haben wir uns in eine kleine Seitenstraße geschlagen und sind einen großen Teil der Strecke durch schöne kleine Dörfer zwischen den Reisfeldern gefahren. Man sieht hier wirklich auch noch sehr viele traditionelle und alte Minangkabau-Häuser aus Holz mit dem unverwechselbaren gebogenen Dach. Einige sind schon ziemlich verfallen, aber die meisten sind sehr gepflegt, mit neuen Anstrichen. Meistens sind sie auch mit einem moderneren Anbau versehen.
Auf diesen Dorfstraßen war fast kein Verkehr, aber leider mussten wir aber auch immer wieder mal auf die größere Straße ausweichen, wo wir ziemlich viel Dieselabgase einatmen mussten und uns an riskanten Überholmanövern erfreuen durften. Das hat alles zwar keinen Spaß gemacht, aber wenigstens war es schön gefährlich und ungesund.
Dafür sind wir dann am Ende im Harau-Tal angekommen, welches teilweise recht schmal ist und an beiden Seiten praktische senkrechte, glatte Felswände hat. Ein wirklich schöner Ort. Das finden wohl viele Leute, denn das Tal war – neben den üblichen Dörfern – voll von meistens neuen Unterkünften, die sich gegenseitig durch besondere Optik ausstechen wollten: von rustikal-romantischen Hütten über edle kleine Villen bis zu spacigen Glamping-Zwiebelzelten oder geodätischen Kugeln.
Wir haben an einem Spaßbad einen Eistee getrunken, denn eines fehlt in diesem Touristenparadies: Gastronomie.
Uns fehlte uns hingegen die Aufmerksamkeit und wir dachten, dass jeweils der andere schon bezahlt hätte und wir sind (nach weiteren Familienfotos) ohne zu Bezahlen losgedüst. Irgendwann hatten die Kellner uns dann aber mit ihrem Moped eingeholt und sehr freundlich, höflich um Begleichung der Rechnung gebeten, dass es uns gleich doppelt peinlich war. Aber alles kein Problem sagten sie lachend. Puuh.
Weiter ging es zurück und als es die Möglichkeit gab, haben wir uns wieder in andere ruhige und sehr viel hübschere Seitenstraßen geschlagen. Auch hier gab es immer wieder schöne traditionelle Häuser. an einem besonders alten und beeindruckenden Exemplar hielten wir für ein paar Fotos an. Eine kleine ältere Frau schaute aus dem Fenster, wir fragten mit Gesten, ob es OK ist, wenn ich ein Bild vom Haus mache. Die Frau gestikulierte, ein kleiner alter Man sah aus einem anderen Fenster und gestikulierte ebenfalls. Die Frau verschwand und kam von hinten um das Haus. Jetzt gibt's Haue! Nein, sie bedeutete uns freundlich, unbedingt ins Haus zu kommen. OK, zögernd sind wir mitgekommen und standen in dem knarzenden großen Raum, in dem erstaunlich wenig Möbel standen. Vor allem waren es ein paar weiche Sessel und ein Couchtisch am Fenster. Sie hatte anscheinend gerade Maiskörner sortiert. Im Sessel saß der kleine, sehr alte Man und winkte uns freundlich heran. Sie fragen, ob wir Indonesisch sprechen. Sedikit! (ein klein wenig) und schon fragten sie uns aus, wo wir herkämen, wo wir wohnten, wieviele Kinder wir hätten, wollten von unseren Eltern wissen und erzählten uns, dass sie vor ein paar Tagen Besucher aus Deutschland und Belgien hatten. Sie hätten sieben(?) Kinder und etliche Enkel (von denen zwei in Jakarta lebten) und waren sehr interessiert an unseren Reiseplänen. Wir bekamen Bananen angeboten und heißes Wasser (das trinken die Leute hier gerne, auch im Restaurant) und natürlich musste von der gegenüberliegende Straßenseite der Enkel kommen und von uns allen Familienbilder machen. Die beiden waren so überschwänglich freundlich und geduldig mit unserem sehr schlechten Indonesisch. Und das alles, weil ich eigentlich nur ein schnelles Bild von außen vom Haus machen wollte. Eine sehr sehr nette und unerwartete Sache!
Der letzte Fahrtabschnitt ging dann ziemlich schnell. Nach eine kleinen Hinternentlastungspause sind wir dann noch in die Stadt in ein Rumah Makan gefahren und haben von den vielen Schalen mit Futter mal wieder Huhn, Ei und Gemüse gewählt. wieder sehr gut.
Kommentare (1)
Olli:
2025-08-29 um 20:39
Lustige Geschichte. Welches der Hausbilder ist denn das von dem der beiden?
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