Schliddertour zum Traumort
2025-08-19 von frischnetz | Comments (1)
2025-08-19, Tangkahan, Sumatra, Indonesien: Im Gegensatz zum getrigen Luschen-Tag hatten wir heute wieder interessantes Programm: Nach dem Frühstück sind wir zunächst auch wieder an der Straße gen Norden gegangen, dann aber – hinter der Ausgangsbasis für die vorgestrige Tour – über die älteste (und vertrauensunwürdigste) der fünf Hängebrücken hier, Titi Isabel, auf die Dschungelseite gewechselt, wo zunäch"st ein guter Weg an einigen Kautschuk- und Durianbäumen, später auch einigen in einer Waldlichtung angepflanzten Limettenbäumen entlang führte. In einem bedachten Unterstand trafen wir eine ältere Frau, die gerade Früchte gesammelt hatte und jetzt seltsamerweise auf der Plattform genau in der Rauchfahne des kleinen Lagerfeuers saß, wahrscheinlich um sich zu konservieren.
Schließlich landeten wir für eine kleine Pause in einer »Glamping«-Ecolodge, die zwar ganz nett aussah, aber die unter Dächern aufgebauten Zelte ließen doch ziemlich viel Glam vermissen. Immerhin hatte man einen netten Blick auf den Fluss und war weit weg von allen Straßen.
Jetzt ging der Trampelpfad mäßig steil wirklich in den Dschungel, vielmehr in Sekundärwald, der in den letzten gut 30 Jahren wild gewachsen ist, seit hier ein Naturschutzgebiet eingerichtet wurde. Um in Primärwald zu kommen, muss man schon eine mehrtägige Tour machen.
Tiere zu sehen, war hier nicht zu erwarten, weil es im Gegensatz zu anderen Orten keine Fütterplattform gab und die Orang-Utans hier nicht an die Menschen gewöhnt sind – außer als Konkurrenten, wenn es um die Durian-Ernte geht. Aber zumindest ein Orang-Utan-Nest haben wir gesehen. Und es gab relativ neue Krallenspuren von Honigbären an einem Baum. Von den sehr stabilen Hartholzbäumen, die es hier auch gab und die gefällt wurden, stehen die Stümpfe auch nach mehr als 30 Jahren immer noch kaum angegammelt im Wald, das Holz sieht unter einer dünnen Schicht immer noch einwandfrei aus, bemerkenswert!
Unser Guide zeigte uns verschiedene Pflanzen, mit Chinin, mit Eukalyptusaroma (Eukalyptus), welche, aus deren Luftwurzeln man leicht holzig schmeckendes Wasser trinken konnte, Rattan und andere. Und alles während uns immer wieder mal 2 cm lange Ameisen mit rotem Abdomen über die Sandalen krabbelten. Als wir ihm eine zeigten, machte er nur eine schnelle Bewegung und hatte eine mit ihren Beinen zwischen den Fingern gefangen, ohne dass sie irgendwas machen konnte. Sie fing aber auch nicht an zu beißen oder Gift zu verspritzen.
Nach einer Pause mit Ananas auf einer kleinen Lichtung ging es sehr rutschig über Lehm und Wurzeln bergab, bis wir vor einem Höhleneingang standen. Wir hatten Lampen mit, was gut war, weil diese Höhle nicht die Bohne irgendwie erschlossen war. Es war rutschig, ging meistens steil bergab, über spitze und mit einer elastischem Matsch-Algenschicht überzogenen Felsen. Es gab einen größeren Raum, in dem eine kleine Kolonie (oder wie nennt man das bei Fledermäusen? Eine Flatterung?) von Fledermäusen aufgeregt schnatterte, als wir mit unseren Lampen in die Nähe kamen. Fledermäuse flatterten ohnehin die ganze Zeit um unsere Ohren.
Das nette an dieser gut 40-minütigen Rutsch- und Klettertour war, dass wir den Weg nur in eine Richtung absolvieren mussten, denn irgenwann wurde es wieder heller und wir kamen an einer wirklich absolut unverschämt schönen Stelle am Fluss heraus, wo die Sonne zwischen Felsen und durch Blätter hindurch direkt in eine dunkelgrün-klare tiefe Stelle im Fluss leuchtete. Absolut traumhaft! Wir haben alle Taschen in mitgebrachte Plasikbeutel gepackt und sind in unseren schlammigen Klamotten durch das ziemlich kühle Wasser auf die andere Seite geschwommen, wo die Assistenten unseres Guides schon mit ein paar LKW-Reifen und wieder sehr ansprechend geschmücktem Mittagessen auf uns warteten. Eine sehr willkommene Pause!
Wir sind dann noch ein wenig in dem sehr schönen Wasser mit unseren Reifen herumgepaddelt oder -geschwommen und der Welpe ist auf Vorschlag des Guides noch die eine Felsenseite hochgeklettert, um aus knapp 10 m Höhe in den Fluss zu springen. An einer Stelle gibt es auch hier eine heiße Quelle, aus der sehr warmes und leicht schwefliges Wasser in den Fluss strömt.
Die Rückkehr zu unserem Guesthouse war dann der angenehmste Teil: Wieder haben wir uns eine gute Stunde den Fluss heruntertreiben lassen, immer wieder mit kleinen spanndenden Stellen, wenn es wieder kleine Stromschnellen gab, bei denen der Reifen dann auch mal Grundberührung hatte oder man schön durchgeschüttelt wurde. Die Landschaft an beiden Ufern bestand aus dramatisch aussehenden, geschichteten und dann ausgewaschenen und meistens grün und mit Wurzeln bewachsenen Felsen und oben hoher, dichter Regenwald. Unglaublich pittoresk! Wirklich ein absolutes Highlight!
Nach einer Weile kamen wir dann wieder unter Titi Isabell durch und wir wusseten dann auch, dass wir wieder in der Zivilisation waren, denn als erstes kam uns ein kleines Motorboot mit 10 singenden Indonesischen Frauen in weißen Kleidern mit roten Kopftüchern entgegen, die natürlich gleich ihren Gesang für ausführliches Helo! und Gewinke unterbrachen. Etwas weiter am Strand fand Fitnesstraining mit lauter Musik statt, riesige Verbände von LKW-Reifen wurden für Nichtschwimmer zusammengebunden und so weiter.
An unserem Guesthouse haben wir den Fluss verlassen und erstmal ausführlich geduscht.
Das Abendessen haben wir dann im Schein von Kerzen und Telefonlampen zu uns genommen, weil in dem Guesthaus, welches wir für unser Abendessen ausgesucht hatten, andauernd Stomausfall hatte. Gleichzeitig prasselte noch ein tropischer Gewitterregen auf den überdachten, aber seitlich offenen Essensbereich. Gut, dass wir für den Rückweg die Schirme hatten. Nässe hatten wir für heute genug!
Kommentare (1)
sister:
2025-08-19 um 20:54
'Flatterung" Herrlich.
"Bienen-Einflugschneise" mein Stichwort.
Weiter so.
Grüße an alle sprachlosen Mitreisenden
sister :)
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