Buddhistische Brandmauern
2025-08-17 von frischnetz | Comments (0)
2025-08-16, Berastagi, Indonesien: Der erste Stopp des Tages kurz nach unserer Abfahrt um 8:00 aus Berastagi war ein Warung Wajik Peceren für Frühstückssachen: Man bekommt ein kleines Tablett mit unterschiedlichen Sachen auf den Tisch gestellt und nimmt sich davon soviel man mag. Wir hatten in Hinblick auf den Fleisch vermeidenden Welpen nur vegetarische Teilchen auf dem Tisch, dank der freundlichen und sehr geduldigen Hilfe der Kellnerin. Es waren Lemper, Dadar Gulung (beliebter Klassiker bei uns), Onde-Onde und Gorengan. Dazu einen unappetitlich aussehenden klebrigen braunen Block Wajik (Klebreis mit Palmzucker). Das meiste war eher süß, auch wenn einige Sachen mit Bohnenpaste gefüllt waren. Dazu sehr schwarzen lokalen Kaffee. Nach dem Bezahlen rannte die nette Kellnerin noch hinter uns her zum Wagen und gab uns die Hälfte des Geldes wieder zurück, weil sie uns die falsche Rechnung gegeben hatte. Noch sehr viel netter als gedacht!
So gestärkt und erfreut sind wir dann zum ersten der zwei Zwischenstopps auf unserer Tagesreise gefahren: einem chinesischen buddhistischen Tempel, der aber wohl so viel gekostet hat, dass das Geld für eine geteerte Straße nicht mehr mit drin war. Unerwarteterweise wurden hier in Teilen die Shwedagon-Pagode aus Yangon remixt: deutlich kleiner, mit Goldfarbe statt echtem Gold und einem seltsamen, schlichten Innenraum mit einerseits – natürlich! – Buddhas und andererseits komischen Comic-Schweinchen, die auf die Säulen gemalt waren. Es herrschte drinnen übrigens strenges Kameraverbot: Nur mit Smartphones durfte man hier Fotos machen, nicht mit »echten« Kameras. Warum, konnte uns keiner erklären.
Eine Brandmauer mit links-herum-Swastikas und Buddha-Bildern umfasst den Tempel, aber auch einen sehr gepflegten »paradischen« Garten mit leicht kitschigen Marmor-Tierplastiken, die zum Teil gerade mal wieder gekärchert wurden und unter denen einige kleine Hirsche waren, die mit sehr verdrehten Hälsen verwirrt aus den Fellen guckten, während aus Lautsprechern auf dem ganzen Gelände esoterische Musik klang.
Der glänzend glatt polierte Vorplatz lädt zum Rollschuhfahren ein, aber es werden leider keine verliehen. Statt dessen aber werden kleine Elektroautos für Kinder angeboten, die dann auf dem Platz herumbrettern können. Passt sehr gut zur Tempelatmosphäre!
Nächster Stopp sollte ein Fruit Market sein. (Wenn man sich einen Wagen mit Fahrer für einen Reiseabschnitt mietet, haben die immer so ein paar Sehenswürdigkeiten on the way mit auf dem Plan, um ein wenig Mehrwert zu schaffen), aber der Wagen fuhr wieder zurück und ja: der Fruit Market war genau der, in dem wir gestern schon bei den Mangos zugeschlagen haben. Na gut.
Wir haben uns also mit einem neuen Vorrat an Mangos eingedeckt (ca. 50000 IDR pro Stück, EUR 2,50), dazu noch ein paar Rambutan, Maracuja und die weiß-mehlig umhüllten Kaki-Früchte, die wir mal probieren wollten.
So ausgerüstet ging es dann auf den ätzenden Teil der Reise, die vier Stunden Fahrt nach Tangkahan, vorbei an Medan. Erst sehr kurvig und voll, dann noch voller, dann Stau am Rande von Medan, einer selbst für indonesische Verhältnisse laute dreckig-chaotisch-verbauten zerbrösende Zweckstadt ohne Struktur oder Charme, dafür aber mit einem schlechten Ruf.
Etwas hinter Medan haben wir in einem Raststop am Tollway gemittagt (war wie immer absolut ok) und sind frisch gestärkt auf die letzten zwei Stunden aufgebrochen. Die Straßen nach dem leeren und guten Tollway sind schnell wieder voller und schlechter (und kurviger) geworden, aber schließlich ging es durch einen riesigen Ölpalmenwald und wir waren in Tangkahan.
Unsere zwei Hütten sind sehr schlicht (eine Glühlampe an der Decke, keine MÖbel, außer einem gemauerten Bett, Bad in einem oben offnenen Anbau nach hinten und kein AC, dafür wenigstens einen Ventilator, der sich aber als ausreichend herausstellen sollte: es ist zwar tropisch feucht und warm, aber nicht richtig heiß hier.), haben aber immerhin Blick auf den Fluss und den Urwald dahinter.
Abendbrot bekommt man hier im Hauptgebäude, danach geht das Grillen-, Zikaden und Froschkonzert los. Und wir haben auf unserer Terrasse vor der Hütte eine unserer heute morgen erworbenen Mangos in einem klebrigen Gemetzel zerlegt und verdrückt. Enak sekali! Gute Nacht!
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