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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Das Stinkende Ende der Insel

2025-08-09, Medan, Indonesien: GESTERN war das Wetter morgens zwar noch etwas bedeckt, vor allem eine Wolke, die wie angenagelt am Berg hing, drohte noch mit weiteren Niederschlägen, löste sich dann aber doch auf und gab den Blick unerwartet auf blauen Himmel frei. 

Am Mittag haben wir ein letztes (wie immer superleckeres) Semur in unserem Restaurant gegessen, dazu natürlich jede Menge Eistee und andere Säfte. Und wir haben die Köchin so sehr gelobt, dass sie uns, als wir gerade fertig waren, je eine frische Kokosnuss hingestellt hat, jede bestimmt mit einem Liter Kokoswasser gefüllt. Das war total nett gemeint, aber leider unmöglich auszutrinken (und auszulöffeln). Und die größten Fans von Kokoswasser sind wir leider auch nicht. Trotzdem haben wir so viel getrunken, wie möglich war. Burps!

Die Mädels waren wieder gesund genug, um einen Nachmittäglichen Tauchgang zu machen. Morgens war leider kein Tauchen, weil es Regel auf dieser Insel ist, dass alle Fischer und Boote an diesem Tag vormittags zu Hause bleiben. Dafür haben die beiden dann schöne Gezeitenströme erwischt und wurden an derselben Divesite, an der wir vor ein paar Tagen noch einen sehr entspannten Dive hatten, schön durch die 30-Grad-Waschmaschine gewirbelt. Sie mussten sich oft an Felsen festhalten, um nicht auf die Andamanen abgetrieben zu werden, aber es lief alles gut, auch dank Sikrit, unserem wirklich sehr knuffigen Diveguide.

Ich habe statt dessen die Sporen angezogen und bin mit meinem treuen Scooter zum Jaboi-Vulkan gedüst, etwa 40 Minuten entlang der schönen und praktisch Menschenleeren Küstenstraße an der Westseite, auf der man nur hin und wieder einigen Affen auf der Straßen ausweichen muss. (»Affen« bezieht sich hier nicht auf die Fahrweise, sondern wirklich auf Affen.) Kurz vor dem Ziel kam ich an einem kleinen Geothermalkraftwerk vorbei. Vor allem merkte man das daran, dass die Stromkabel an den Masten neben der Straße plötzlich fast armdick waren. Sie hingen aber immer noch genau chaotisch an den schiefen Masten.

Eine Erhebung weiter schlug mir dann eine üble Schwefelwasserstoffwolke ins Gesicht. Ja, ich war fast da.

Hinter einem Parkplatz gab es im Wald einen kleinen Kletterpfad und weitere Hinweise darauf, dass hier öfters Schulklassen hingekarrt werden. Der freundliche Mensch am Eingang erklärte mir, dass es gerade keine Guides gebe, man aber alles leicht finden könne, es gebe vier Krater, über einen Kilometer verteilt. Das ein ein wenig sportlich formuliert, wie sich herausstellen sollte.

Der erste Krater (auch der unspektakulärste) war wirklich schon nach 50m zu sehen, eine Fläche aus weißem Kalkstein und Schotter, mit einigen handgemalten Warnschildern – und offensichtlichen Spuren, dass sich niemand an die Warnungen hält und überall über die Fläche gelaufen wird. Dort gab es als einzige Vulkan-Hinweise mehrere kleine Stellen am Boden, an denen sich Schwefel abgesetzt hat. 

Krater zwei erreichte man schon ein paar Meter weiter den Berg rauf: eine Fläche, etwa halb so groß wie ein Fußballplatz, ebenfalls mit weißen Geröll, daneben weiße Baumskelette, die eine tolle Kulisse für einen Endzeitfilm abgeben würden. Auch hier war die Wegeführung kaum zu interpretieren: es gab teileweise Absperrungen, die dann aber endeten und den Weg genau auf die Fläche führte, die eigentlich vorher abgesperrt war. Außer mir war einfach niemand auf dem ganzen Gelände, also konnte ich auch nicht gucken, was andere so machen. Das Schild, dass man sich hier nur 30 Minuten aufhalten solle, machte etwas mehr Eindruck als die Zäune. 

Überall auf der Fläche gab es kleine und größere Löcher, aus denen Schwefeldampf herausströmte, immer gesäumt von glitzernden Schwefelkristallen. An einigen Stellen gab eis einen sprudendelnden und blubbernden Schlammtümpel, an anderen Stellen kochte klares Wasser heftig in Vertiefungen und überall stank es erbärmlich nach Schwefel. Nichts wie weiter zum nächsten Krater. Das war aber nicht ganz so eindeutig. Ein Schild zeigten vage in Richtung des hier nicht mehr toten Waldes, aber dort verliefen sich alle Spuren schnell. Nach einer Weil brach ich die Tour ab, weil ich auch nicht komplett alleine an einer Stelle mit schlechtem Mobilempfang wegen eines auf den Geröllfeldern verknacksten Fußes verenden (und geräuchert werden) wollte. Es war auch so ziemlich beeindruckend. 

Auf einer anderen Route bin ich dann wieder zurück zur Unterkunft. Für den Weg warnte mich Google Maps vor »starkem Verkehr auf der Route«, was wirklich kompletter Quatsch war. Wenn eines diese Insel nicht hat, dann ist es Verkehr. Man trifft meistens wirklich nur alle paar Minuten auf andere Verkehrsteilnehmer. 

Die Tour zeigte aber nochmal die schöne Vielfalt dieser Insel, die viel größer war, als wir dachten: Dichte Dschungelabschnitte, Kokosplantagen, kleine Dörfer, Blicke auf tolle Buchten und immer unglaublich viel Grün. 

Ich habe dann die Mädels zum Bezahlen im Diveshop getroffen. Mit den Weltreisenden haben wir uns dann zum Abendessen in ihrem Guesthouse verabredet und noch eine ganze Weile mit ihnen gefachsimpelt und einfach nett gequatscht.

Dann Packen … grrr.

HEUTE sind wir dann um 6:30 vom Guesthouse abgeholt worden und zum Fähranlegerplatz gebracht worden. In gut einer Stunde waren wir in Aceh und haben über Grab einen netten Fahrer gefunden, der uns dann erstmal zu einem Cafe, dem Tsunami-Museum, einem Restaurant und schließlich zum Flughafen gebracht hat. Das hatte den Vorteil, dass wir unsere großen Rucksäcke im Wagen lassen konnten und keine Gepäckaufbewahrung brauchten. 

Das Tsunami-Museum ist eine seltsame Nummer: Es ist ein ziemlich großes und eindrucksvolles Gebäude, aber leider auch schon sehr heruntergekommen. Es gibt Abschnitte mit Opfernamen und einen Gang mit Wänden, von denen Wasser läuft, um die Wasserhöhe zu visualisieren, aber ein großer Teil der Ausstellung besteht nur aus Fotos. Hin und wieder gibt es ein paar Räume mit nachgebauten Szenen, aber die kommen an die Bilder gar nicht heran.

In einem kleinen »Kino« wird ein mit extremst(!) pathetischer Musik unterlegter, pixeliger Film mit ein paar Augenzeugenvideos und Aufnahmen von den Rettungs- und Aufräumarbeiten gezeigt. Der Film ist in 16:9, wird aber in 4:3 abgespielt, in VLC auf einer unlizensierten Windowsinstallation. Und überall bröckelt die Farbe von den Wänden, sind Monitore ausgefallen, Räume abgesperrt und Schaukästen leer. Es ist schon etwas traurig.

Ein großer Teil des Museums ist dann den Helferstaaten gewidmet. Flaggen der Länder hängen im Innenhof, große Steinkugeln mit den Namen der Staaten stehen um einen Fischteich. UNHCR bekommt einen eigenen Raum, auch USAID wird sehr gedankt, die es ja inzwischen dank dem orangen Idioten nicht mehr gibt. 

Interessant am Rande fanden wir, dass auch die Treppen des Museums als Evakuierungsroute ausgewiesen sind. Man kann bis in den vierten Stock flüchten, das sollte in dieser flachen Stadt ein guter Rettungspunkt sein.

Der Stadt sieht man nirgends an, dass sie vor 20 Jahren komplett zerstört wurde. Sie ist genauso leicht chaotisch bebaut, wie die meisten indonesischen Städte. Besonders neu sieht hier auch nichts aus.

Das Mittagsessen haben wir neben dem Flughafen in einem Restaurant gegessen, welches uns der Fahrer empfohlen hat. Eine große offene Halle mit einer sehr geschäftigen Küche nebenan. Man bestellt Reis und bekommt dann eine große Auswahl von Tellern mit unterschiedlichen Suppen, Curries, Gemüse, Hühnerbeine usw. hingestellt. Dann nimmt man sich davon, was man möchte. Es sieht also immer erstmal so aus, als wenn man richtig verfressen ist. Am Ende kontrolliert jemand, welche Sachen man nicht angerührt hat und den Rest bezahlt man. Die meisten Sachen waren wirklich sehr gut, aber meist auch eher fleischlastig.

Der Besitzer hat mich nach dem Bezahlen gehighfived und ich hoffe sehr, dass er sich gefreuthat, dass wir bei ihm gegessen haben und nicht, weil er uns zu viel Geld abgeknüpft hat …

Jetzt noch schnell zum Flughafen, wo wir noch eine ganze Weile warten mussten, bis dann auch wir unsere Gepäck-Übergewichte bezahlen durften. Dann eine Stunde Flug nach Medan mit den Flugbegleiterinnen, die in formlose braune, vorne geknöpfte Nachthemden gekleidet waren (wir sind in einer sehr traditionell-muslimischen Ecke Indonesiens), von einem sehr kleinen auf einen sehr großen und modernen Flughafen. Unser Hotel für eine Nacht hat uns netterweise am Flughafen mit einem Shuttle abgeholt. Das Hotel hier ist der reine Kulturschock gegen die verschlafene Insel: Emsige Geschäftigkeit, Funkgeräte und Organisation. Es ist eine seltsame Unterkunft. Sehr großes Gelände, mit Konferenzzentrum, einem Pool, Restaurant und Cafes. Einige Zimmer in Hütten, einige großen Haus. überall LED-Geblinke im Garten, eine Coverband spielt im Cafe, Schaukeln, alles irgendwie etwas zu viel. 

Wir waren dann zum Abendessen hier noch im Restaurant. Als die Coverband eine Pause machte und wir uns unterhalten konnten, fing aber ein so heftiges Gewitter an, dass es unter dem Blechdach nur noch dröhnte. 

Weinigstens hörte der Regen auf, als wir fertig waren, aber dafür waren die Wege ziemlich überschwemmt. 

Und die Coverband startete das neue Set mit »My Heart will go on«. Schnell ins Bett!


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