Malaysisch-schottischer Geister-Hardsell
2024-08-14 von frischnetz | Comments (2)
2024-08-14, Ipoh, Malaysia: Nicht mal in Edinburgh wurde uns so hart eine schottische Geistergeschichte aufgetischt, wie in Kellie’s Castle. Aber von Anfang an:
Mit unserem Perodua Bezza sind wir nach als erstes zu einigen chinesischen Höhlentempeln gefahren. Das hier ist eine Karstgegend mit großen Höhlen, also werden Tempel reingebaut. Das macht man hier so. Wie schon das konfuzianische Sprichwort sagt: When life gives you Karst caves, build cave-temples.
Die erste war Kek Look Tong. Sehr viel kleiner als die Batu-Höhle von gestern, aber auch sehr viel weniger voll, weniger Treppen und mit sehr glänzendem Estrich-Boden. Ken Adams hätte hier eine tolle Basis für Bond-Bösewichte reinbauen können. Am Anfang wies uns ein Schild darauf hin, dass man hier keine Hunde, Katzen und Kaninchen mit reinbringen darf.
Drinnen gab es Steine, die tropfen und Steine, auf die es tropft; einige buddhistische Figuren, aber auch eine Reihe von Getränkeautomaten. Wenn man ganz durchgeht, findet man hinten einen großen Ausgang mit einem sehr schicken Karsch(haha)-Panorama, einem kleinen See, einigen Steinfiguren, die besondere buddhistische Persönlichkeiten darstellen und einem ganz besonders schicken Zementwerk ganz in der Mitte. Wir haben hier eine kleine Runde gedreht, aber darauf verzichtet, mit einem gelben-Enten-Tretboot den Teil eines Flusses entlangzufahren, der direkt an der senkrechten Bergwand entlangfließt.
Der zweite und dritte Höhlentempel (Sam Poh Tong und Nam Thean Tong) lagen direkt nebeneinander ein klein wenig weiter im selben Karstgebiet. Der erste hatte einen wirklich netten Garten mit Miniaturkarstfelsen in einem Becken. Einige waren mit kleinen Brücken miteinander verbunden oder hatten kleine Pagoden draufgebaut.
Auch hier konnte man durch die sehr gut ausgebaute Höhle (Figuren, Schreine und sogar eine Küchenzeile) durchgehen und fand einen kleinen runden Platz, umgeben von steilen Karsch(haha)-Bergen und einem traurigen, kargen Bereich, in dem eine Menge Schildkröten herumliefen. Man hätte am Eingang Futter für sie kaufen können. Also ging es nur darum, mit dem Mitleid Geld für den Tempel zu sammeln …
Um keine Troglodyten zu werden, haben wir auf dem Weg zu nächsten Stop einen guten Futterstop gesucht – und auch gefunden: RESTORAN BUNGA JASMIN hat uns mit diversen indisch-malaiischen Curries, Fisch, Huhn und Biriyani nicht enttäuscht.
So gestärkt ging es zum etwas entfernteren Grusel-Ziel: Kellie’s Castle. Hier hat sich ein zu Geld gekommener schottischer Geschäftsmann vor über 100 Jahren ein kleines schottisch-malaiisches Schloss gebaut, welches schon beim Bau schon von zahlreichen Katastrophen heimgesucht wurde und welches vom Erbauer nie bewohnt wurde, weil er schon mit 56 starb. Das kleine Schloss ist mit etlichen Geheimtreppen ausgestattet, durch welche seine Familienmitglieder im Falle einer Gefahr leicht fliehen können sollten. Angeblich gab es auch noch diverse Fluchttunnel, u.a. zu einem nahegelegenen Hindu-Tempel. Vor allem im vorderen, noch ziemlich gut erhaltenen Teil des Schlosses (mit sehr gut erhaltenen Teakholz-Fensterrahmen und -Böden kann man durch die normalen und die Not-Treppen durch das Gebäude sogar bis ganz aufs Dach rauf, nur leicht durch kleine Ketten gegen das Abstürzen gesichert. Nie und nimmer wäre sowas zuhause zulässig gewesen, aber wir hatten einen schönen Blick von oben.
Das wichtigste für die Malaysier sind hier aber die Geistergeschichten. Fast auf jeder Infotafel in diesem Schloss gibt es den Hinweis auf irgendeine Erscheinung einer Gestalt, die auf der Galerie stand und in die Ferne schaute, oder auf eine Kindergestalt, die in diesem oder jenem Raum gesehen wurde, oder dass man hier nachts Stimmen gehört hat usw.
Trotz der Anstrengungen wollte bei Sonne, 30 Grad und 80% rel. Feuchte richtige Geisterstimmung nicht aufkommen. Dennoch war dies ein wirklich netter, etwas anderer Stopp, den wir ohne eigenes Kfz wahrscheinlich nicht angesteuert hätten.
Zurück in der Stadt haben wir noch ein wenig die Kolonialarchitektur und Murals der Innenstadt angesehen, ein paar kalte Getränke in einem netten Café reingekippt und einen Ort fürs Abendessen auserkoren: Baba Nyonya Alley. Außerdem haben wir einen netten Buchladen besucht, der offenbar in eine alte Bank im Kolonialviertel gebaut war: Die Bücher im Keller waren hinter dicken Stahltüren in Räumen mit Schließfächern ausgestellt. Der Welpe hat leider sein angestrebtes Buch (Dune Messiah) nicht gefunden und muss bis zuhause warten, um in der Geschichte weiter zu kommen.
Weiter zum designierten Futterplatz: Das Sambal war hier sensationell. Und als Unterhaltung konnten wir drei kleinen und jungen Katzen zusehen, die herumtobten, Bücher aus dem Regal warfen und auf den Möbeln herumliefen.
Mit einem kleinen Verdauungsspaziergang durch das langsam schließende Little India haben wir dann das reichhaltige heutige Tagesprogramm geschlossen. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.
Kommentare (2)
Olli:
2024-08-14 um 22:06
Und wir für die Blogs ;-) sehr cool ...!
AWW:
2024-08-19 um 11:20
Nachdem ich anfangs beunruhigt war, als kein haha beim Worte "Karstgegend" erschien, wurde ich in Laufe des Lesens entspannt.
Die Aufforderung, Hunde, Katzen und Kaninchen draußen zu lassen, steht dort vermutlich aus Erfahrung. Denn wir wissen ja, daß es ähnliche Merkwürdigkeiten auch bei Schachturnieren gibt, Stichwort: Glitzer!
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