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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Tee mit Duck Shit Smell und freundliche Bekehrungsversuche

2024-08-11, Kuala Lumpur: Kein Wind hat unsere Unterhosen über die Stadt verteilt. Soweit schonmal gut. Aber es regnete heute ziemlich stark. Nach ein paar Metern mit unseren Schirmen (und etwas Hadern) haben wir beschlossen, doch mit einem Grab zu dem von uns angepeilten Café »The Backroom« fürs Frühstück zu fahren. Nach 10 Minuten kam der Wagen und natürlich wurde der Regen dann deutlich weniger und wir hätten problemlos auch laufen können, zumal es nur 100 Meter weiter alte Kolonialgebäude gab, die oft einen überdachten Bürgersteig haben.

Das Café war kühl eingerichtet und teuer, das Essen aber wohl auch sehr gut und einige der Kaffeekreationen auf der Karte sahen klangen sehr phantasievoll. Mein Espresso Tonic war fast das langweiligste auf der Karte. Etwas mit Kaffee (und Curry, bzw. Suppe) gestärkt, wollten wir dann noch Kuchen zum Nachtisch. kaum hundert Meter weiter fanden wir dann das noch stylischere Café »Silver Fox«, wo alles nur kaltweiß oder silbern eingerichtet war. Aber es gab sehr guten Pandan- und Onde-Onde-Torte, serviert auf einem rechteckigen Mini-Tablett aus Edelstahl mit einer winzigen Hauptgericht-Gabel. Die vom Welpen noch bestellten Fake-Fleisch-Sticks wurden in einem kleinen Einkaufswagen (Chrom) geliefert, der Coldbrew-Oolong wurde in Whisky-Nosing-Gläsern serviert. Wir haben übrigens nur den Dragon-Well-Oolong genommen, den mit »Duck shit smell« angepriesenen Oolong haben wir verschmäht.

Den Welpen haben wir dann für etwas R&R im Hotel abgesetzt und sind auf eigene Faust ein paar Kilometer im Regen kreuz und quer durch die Innenstadt gezogen. Eine sehr nette Mischung aus wuseliger Kolonialstil-Architektur mit unzähligen Läden für alles und noch mehr Restaurants für alle Küchen Asiens und dann auch fetten Büroklötzen und Malls mit oder ohne Patina. Ein wenig wie Bangkok, aber durch die vielen alten Gebäude hier im Zentrum noch etwas kleiner, freundlicher und mit seinen vielen Indern auch ganz anders.

Wir haben uns grob an drei Zielen entlanggehangelt: Erst den alten, kleinen chinesischenSin Sze Si Ya Temple, dann den hinduistischen Sri Maha Mariamman Temple und zum Schluss die islamische Masjid Negara. Auf dem Weg sind wir häufig an wichtigen Orten wie der Zusammenfluss der beiden (leider stinkenden) Stadtflüsse Klang und Sungai Gombak, mit der historischen Moschee; dem Dateran Merdeka, wo das erste Mal die Malaysische Flagge gehisst wurde und leider auch der allerschrecklichsten Straße dieser Stadt, der Jalan Petaling, einer engen, übervollen überdachten Marktstraße in Chinatown, in der von nervigen Händlern der Fake-Schrott angeboten wird: Falsche Nobeluhren, falsche Edelmarken-Handtaschen, -Sneaker und -Klamotten. Schlimmster Touri-Nepp. Vermeiden. Absoluter Fehler da hinzugehen.

Aber der rest der Stadt, den wir gesehen haben, war trotz Regens durchaus interessant und nett. Hier kann man gut auf Erkundung gehen!

Interessant war noch, dass im Hindutempel die Schuhaufbewahrung pro Paar Schuhe 20 Sen, also 0,20 Ringgit, entsprechend 4 Euro-Cent kostet. Das sind also 2 Cent pro Schuh. Ich denke, das ist es wert.

Und in der Moschee musste der weibliche Hund natürlich wieder einen lila Kaputzenbademantel tragen, weil man ihre Knie einfach nicht ertragen kann. Das kostet dann aber wieder nichts. Dafür wurden wir, als wir ein wenig länger auf ein Plakat mit einen Stammbaum von Mohammed schauten (der demnach offenbar auch entfernt mit Noah, Jesus, David und allen möglichen anderen wichtigen Propheten verwandt ist) gleich in ein Gespräch verwickelt, in dem uns  sehr nahegelegt wurde, doch jetzt am besten gleich zu konvertieren, denn wir wüssten ja nicht, ob wir nicht in einer Stunde schon tot seien und dann würden wir ja nicht in den Himmel kommen. Das wäre doch schade, wo doch alle dort wieder jung und hübsch seien, vor allem die Frauen. Und ja, natürlich wurde Mohammed auch im Hinduismus vorhergesagt und der Qur'an hat immer in allen Punkten recht und wir könnten ganz schnell in zwanzig Sekunden konvertieren, das könnte er jetzt für uns so machen. Und es sei ihm schon wichtig und so weiter.

Er war dabei wirklich sehr nett und durchaus charmant, aber natürlich auch rhetorisch auf alle Fragen und vorsichtigen Einwände vorbereitet, parierte alle kritischen Fragen und fuhr dann einen hard sell, um uns nicht doch noch zu überzeugen. Auch mehrere höflichen Zeichen, dass das ein total nettes Gespräch war, wir aber jetzt doch gerne mal weiter wollen, wurden übergangen. An sich ganz interessant, seine Argumente und Rechtfertigung zu hören, aber am Ende auch anstrengend, weil man sich mit ihm nicht darauf einigen konnte, unterschiedliche Meinung zu haben. Denn der Qur'an hat ja immer in allem Recht …

Interessant, dass solche Anwerbe- oder Rechtfertigungsgespräche praktisch immer nur in Moscheen aufkommen, Kein Hindu, Buddhist, Christ oder Taoist hat uns jemals angeworben. (Einzige Ausnahme waren die Scientologen, als wir in Hamburg mal einen Moment zu lang in deren Schaufenster geguckt haben, da kam gleich eine rausgelaufen und hat uns Broschüren zugesteckt und uns gleich reingebeten, um sich »unverbindlich« zu informieren.

Wir haben dann den Welpen abgeholt und sind wieder in das wuselige vegetarische Restaurant bei uns um die Ecke gegangen und haben drei verschiedene Varianten von Dosas gegessen, die allesamt bei uns sehr gut ankamen. Wir haben dann spontan beschlossen, sofort Hindus zu werden.


Kommentare (4)

  1. AWW:
    2024-08-11 um 21:36

    Also das mit "in einer Stunde schon tot sein", ist ja zum Glück nicht eingetreten.
    Uns wurde letztens in Paderborn auf der Straße, weit weg von jeder Kirche, mitgeteilt, daß Gott uns liebt und wir sehr SEHR wertvoll sind.

  2. Jörg:
    2024-08-12 um 04:07

    Dieser Gott ist echt ein Stalker.

  3. Maren:
    2024-08-12 um 07:39

    Wenn ihr konvertiert seid, braucht ihr auch nur dreimal "Ich lasse mich von dir scheiden" sagen und schon seid ihr geschieden!
    Liebe Grüße und gute Reise weiterhin, Maren

  4. sister:
    2024-08-13 um 12:37

    Duck shit smell?
    Njam! Das wäre doch was für Herrn Süskind gewesen. So für hinter die Ohren!
    Und wer ist eigentlich Gott?
    Ich glaube, der steht öfter mal in der Kirche in den hinteren Reihen erschrocken auf und fragt:..."Wat soll ich gesagt haben?"


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