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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Ijen – Diesmal aber richtig!

26. Juli 2023, Licin, Jawa Timor, Indonesien: Ohne 3-cm-Pancake sind wir mit einem Wagen den gleichen Weg wie gestern zum Ijen-»Basecamp« auf 1800m aufgebrochen. Wie gestern machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre, aber es war natürlich noch sehr dunkel und die Wirkung verblasst durch eine getönte Autoscheibe ungemein. 

Vom Basecamp ging es dann rauf zum eigentlichen, aktiven Kratersee des Ijen. Es sind zwar nur etwa 3 km Luftlinie zum Kraterrand und nochmal 1,5km bis zum höheren Aussichtspunkt und auch der Weg ist gut ausgebaut, aber die Steigung ist teilweise ganz schön heftig und wirklich anstrengend. Unten warten Horden von Portern mit kleinen Schiebe-Rikschas, um Leute den ganzen Weg auf dem Sitz nach oben zu schieben. Einige sind eine ganze Weile neben uns hergegangen, in der Hoffnung, dass wir schlappmachen und haben uns immer wieder daran erinnern, dass es jetzt noch 3km sind, jetzt noch 2,5km und dass sie doch eine Schieberikscha haben und jetzt sind es noch 2km … Irgendwann haben wir sie sehr deutlich aufgefordert, dass das endlich zu lassen, dann haben sie aufgegeben. Aber an der nächsten Ecke kam dann schon das nächste »Hello! Taxi!«. Sehr nervig.

Hunderte anderen Besucher kamen uns währenddessen entgegen, weil diese alle direkt zum Sonnenaufgang oben sein wollten. Das war heute aber im wahrsten Sinne des Wortes aussichtslos, denn die ganze Zeit war eine dicke Wolkendecke über der Gegend. Haha! Umsonst so früh aufgestanden!

So sind wir dann etwa 2–2,5 Stunden auf steilen Wegen durch den Nebel gestapft und haben nichts von der bestimmt tolle Aussicht sehen können. Aber als wir ganz oben waren, fingen die Wolken an, sich zu verziehen. Und so hatten wir dann einen wirklich tollen Blick über den einen Kilometer breiten dampfenden türkisen Kratersee 300m unter uns. An einer Uferstelle, die Touristen inszwischen nicht mehr betreten dürfen, treten dicke, heiße Dampfschwaden aus dem Berg, werden von den Schwefelminern durch Rohre geleitet, wo der gelöste, heiße Schwefel kondensiert und herausläuft. Wenn der aushärtet, wird er in Blöcke geschlagen und dann in Ladungen von 70-90kg von Hand erst wieder zum Kraterrand und dann ins Tal getragen und verkauft. Und das ganze oft zweimal am Tag. Ein echter Knochenjob, der wirklich tödlich wird, weil die Leute mit nur unzureichendem Atemschutz in schlimmen Schwelfeldämpfen arbeiten. Wenn der Wind entsprechend drehte, dass wir in mehreren Hundert Meter Entfernung stark verdünnte Luft davon abbekommen haben, hat das komplett ausgereicht, um sofort nicht nur den Schwefelgestank, sondern auch ein ein unangenehmes Gefühl in den Atemwegen zu bekommen.

Am plattgetretenen Kraterrand sah man, dass hier normalerweise hunderte Leute den Sonnenaufgang verpassen, weil sie in einer Menge von Hunderten Leuten stehen und es sowiese erst ab 8:30 schönes Wetter gibt. Aber um diese Zeit war es fast leer: Perfektes Timing!

Der Ausblick in den See ist beeindruckend, vor allein, weil man mit den winzigen Ameisen, die am Rand Schwefel abbauen, einen guten Maßstab für die immense Größe hat. Außerhalb des Kraterrandes sieht man, dass die normale Wolkendecke seitlich unter uns vorbeizieht. Hin und wieder, steigt eine Wolke aber auch mal auf und zieht dann als schneller kalter Geisternebel durch. Nach etwa zwei müden Stunden mit offenem Mund sind wir dann wieder denselben Weg zurückgegangen, konnten diesmal aber auch die schöne grüne Landschaft genießen, weil fast durchgängig auch die Sonne schien. Was beim Aufsteig mehr in die Kondition bei dünner Luft ging, ging beim Abstieg eher in die Gelenke (außer beim Welpen!). Und ja, die Porter wollten einem auch für den Rückweg einen »Ferrari« anbieten. 

Unten angekommen, waren die ganzen Massentouristen mit ihren Minibussen schon aufgebrochen und wir konnten in Ruhe ein paar Mie-Nudeln mit Spiegelei frühstücken.

Anschließend sind wir noch etwa eine halbe Stunde mit dem Wagen durch das Plateau gefahren und Putri (die Tochter unseres Landlords) hat uns noch einen kleinen, aber heftigen Wasserfall gezeigt, der in dickem Strahl seitlich zwischen zwei senkrechten Felswänden herabstürzt und die Wand mit genug Spray versorgt, dass diese schön vermoost ist.

Sehr sehr müde haben wir uns dann nach Haus fahren lassen und sind erstmal auf den diversen Liegemöglichkeiten eingenickt. Abendessen gab es netterweise diesmal hier, gekocht von der Mutter, so mussten wir heute nicht nochmal den 1km Weg zum Warung hochlaufen. Das hätten wir nicht gepackt.


Kommentare (3)

  1. sister:
    2023-07-27 um 21:50

    Ähäm...seit wann macht Ihr denn Insta-HotSpot...also wirklich...tsetsetse

  2. sister:
    2023-07-27 um 21:56

    ... so irre... die einen schuften sich Tag für Tag zu Tode... Alles hat 2 Seiten.

  3. AWW:
    2023-07-27 um 23:37

    Jaaa, daher kam mir das so bekannt vor: gab letztens im Fernsehen einen Bericht über den Abbau.


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