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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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»Don't worry, you have enough time«

Di, 2.8.2022, Rantepao: Heute waren wir statt mit Mr. Ino mit Wila unterwegs, dem Gastgeber von vor zwei Tagen, mit dem wir noch eine Tour vereinbart hatten. Auch er brachte uns zu der großen Beerdigung, wo heute der Tag war, an welchem die Gäste empfangen wurden.

Die einzelnen Familien umkreisten mit Ansage in traditioneller Kleidung den Hauptplatz (auf dem u.a. noch fleischige Tierüberreste und verkohlte Schweine lagen) und trugen dabei manchmal Gefäße aus Messing, machmal wurden Flöten gespielt, manchmal aber auch einfach aufs Smartphone geguckt.

Neben dem Fleischberg standen diverse weitere nervöse angeleinte Opfertiere, deren Zeit noch nicht gekommen war, darunter auch zwei sehr teure teilweise weiße Wasserbüffel. Einer der Büffel schaffte es irgendwann, den in den Boden gerammten Baum, an dem er befestigt war, umzuwerfen, wurde dann aber wieder eingesammelt und vermutlich mit etwas Futter ruhiggestellt.

Eine Gruppe von Männern, die sich aus unerfindlichen Gründen alle wie mexikanische Farmer verkleidet hatten (allerdings mit roten Polo-Shirts, auf deren Rücken ein Foto der Verstorbenen aufgedruckt war) versammelte sich im Kreis, um ein traditionelles Lied zu singen und dabei sehr unterspannt leicht wippend zu tanzen.

Diesmal hatten wir Plätze auf dem Balkon des Haupthauses, was ein wenig mehr Überblick verschaffte, aber trotzdem genauso laut war.

Diesmal blieben wir nicht so lange, bis wir Essen bekamen, sondern fuhren zu einem äußerlich unattraktiven Restauran, bei dem wir jedoch nach drei Seiten tollen Ausblick auf die Reisfelder hatten und ein gutes Ayam Kejap bekamen.

Als letzten Stopp fuhren wir dann noch nach Londa, unweit von Alang Alang, der Begräbnisstätte von Wilas Großmutter. Dies ist eine etwas touristischere Stätte, leichter zu erreichen. Normalerweise gibt es neben einer großen Grotte mit den üblichen auf Holzbalken hoch oben auf den Absturz wartenden zerrottenden Särge, aus denen Knochen und Schädel hervorlugen noch zwei Höhlen. Diese werden auch von diversen Schädeln bewacht, während drinnen, teilweise recht chaotisch Särge und weitere Knochen in die Seitenwege gestopft sind. Es gibt nur die von einem Mitarbeiter mitgebrachte Beleuchtung in Form einer Gaslampe, die hinter jeder Ecke neue auf den Felsen drapierte Schädel erleuchtete. Starke Erinnerungen an den Dimholt aus Lord of the Rings wurden wach.

Statt einer Schädellawine hatte Wila eine andere Überraschung für uns bereit, es gibt nämlich eine Verbindung zwischen den beiden Höhlen, die normale Besucher kaum gehen.

Und wir wussten danach auch, warum dort keiner geht, man kann da nämlich nicht gehen, sondern muss auf allen vieren oder im Watschelgang durch eine sehr enge Röhre mit Lehmboden krabbeln. Zum Glück war der Weg nicht sehr lang, aber lang genug, um ziemlich verschwitzt und lehmig in der anderen Höhle wieder rauszukommen.

Glücklicherweise konnten wir anschließend im Guesthouse nochmal duschen und uns für die Fahrt entlehmen.

Der Guesthouse-Chef hatte versprochen, uns zum Bus fahren zu lassen, sein Wagen war aber noch unterwegs. Immer wenn wir nervös nachfragten, kam »You have enough time« und irgendeine Geschichte, wie diese Busse sowieso immer zu spät sind, weil sie immer total geduldig auf verspätete Gäste warten. »You have enough time!«

Als wir dann doch ziemlich nervös wurden, fragte er seinen Nachbarn, der seinen fetten und vor allem hier komplett überdimensionierten, noch ziemlich neuen SUV/Pickup herausholte und uns zum Busstop in Alang Alang brachte.

Dort rollten dann etliche aufwändige Busse heran und vorbei, was jedesmal wieder für Nervosität sorgte. Irgendwann hielt dann der richtige, Sleeper Class von Primadona, ein slicker Riesenbus, der drinnen mit automatischen Fernsehsesseln ausgestattet war, die man fast komplett flachlegen konnte. Das war erstaunlich bequem und wir haben tatsächlich einen Großteil der Strecke verschlafen.

Gegen 3:35 wurden wir dann geweckt, weil wir am Ziel waren: eine Kreuzung nahe Rammang Rammang in der Nähe von Makassar. Wir packten unseren Kram und standen plötzlich an einer leeren Straße in der dunklen Nacht. Leider hatte unsere Mitteilung, dass wir zu diesem Zeitpunkt dort sein werden, unser Guesthouse nicht erreicht, so dass sie uns keinen Fahrer schicken konnten. Also saßen wir müde auf den Stufen einer kleinen Moschee (wo es netterweise eine öffentliche Toilette gab) und versuchten – erfolglos – um 4:00 Uhr auf dem Land ein Taxi zu bekommen. Das wurde also nichts. Also Laufen? Das wurde etwas dadurch erschwert, dass die Adresse so uneindeutig war. Auf Maps findet man mit dem Namen der Lodge nichts, die Booking.com-App verweist auf einen Ort, zu dem es keine Straße gibt, die Bilder der Unterkunft deckten sich aber mit einem Cafe in dieser Ecke. Alles ziemlich schwierig …

Nach etwas genauerer Kartensuche meinten wir, den Ort hinreichend genug eingekreist zu haben, um die 4 km Fußweg mit Gepäck riskieren zu können. Also sind wir im Dunkeln 45 Minuten über kleine Landstraßen durch eine Reisfeld- und Fischteich-Landschaft gelatscht, nur begleitet von Straßenhunden, Katzen und unter den verwirrten Blick einer Rinderfamilie am Straßenrand.

Am Ende des Weges war ein kleines Fährhaus und eine Brücke. Und dort, wo wir eigentlich die letzten Meter zur Lodge zurücklegen sollten, war nichts, was wie ein Weg aussah. Also haben wir im Fährhaus ein wenig gewartet, bis gegen 6:00 Uhr bei Sonnenaufgang eine Meldung eintrudelte, dass wir schon ganz richig waren, wir müssten nur den kleinen Weg hinter der Brücke rechts nehmen. Da die Sonne jetzt etwas aufgegangen war, konnte man sehen, dass da ein kleiner Trampelpfad auf dem kleinen Deich zwischen Reisfeld und Fluss nach Süden führte. Da fanden wir dann auch die Eco Lodge, komplett auf Pfählen im Wasser stehend. Wir bekamen eine nette kleine Hütte mit asymmetrischen Dach, mit Ventilator und Badezimmer. Wirklich eine nette kleine Anlage, inmitten einer schönen Karsch(haha)landschaft.

Den Rest des Tages haben wir dann nur noch rumgedöst, was nach den vier Tagen holpern auf drempeligen Straßen ganz gut tat.


Kommentare (3)

  1. AWW:
    2022-08-03 um 23:44

    Waren die 4 km ausgeleuchtet, dh gab es Orientierungshilfe, oder hat das Händi jeden Schritt gut vorgesagt?

  2. Polyesther:
    2022-08-04 um 07:13

    Nicht Hochzeit sondern Bestattung!

  3. Jörg:
    2022-08-04 um 17:50

    @AWW: es gab hin und wieder Straßenlaternen, aber wir haben immer die Händilampen angehabt. Ausgeschildert war nichts, aber Google Maps hat geholfen.


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