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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Schweineopfer, Reifenpannen und bambusgekochte Bananensprösslinge

30.7.2022, Tana Toraja, Sulawesi: Ha, der Ausblick vom Balkon war doch nicht schrecklich! Eine sehr große Bananenpflanze versperrt zwar etwas den Blick, aber das ist schon OK, solange man dahinter interessante Toraja-Dörfer und Berge sehen kann.

Unser Gastgeber brachte uns netterweise einen Eimer heißes Wasser, den wir dann mit etwas Wasser aus dem Wasserkocher zu einer warmen Bucket-Shower für drei strecken konnten, denn heißes Wasser gibt es in der wie ein halber Brunnenschacht aussehenden Dusche hier leider noch nicht.

Zum Frühstück (Omlett mit Reis) wurden wir in die Küche seiner Mutter im Haupthaus gebeten, einem vollen Raum mit niedriger Holzdecke und einem sehr ängstlichen Wachhund.

Verteilt auf einen Scooter und dem Sozius auf seinem Motorrad ging es auf dem »Schleichweg« durch Reisfelder und kleine Dörfer nach Rantepao, um dort Bustickets zu kaufen und einen weiteren Scooter zu mieten.

Mit diesen Gefährten sind wir dann nach Empfehlung unseres Gastgebers Richtung Norden aufgebrochen. Und wir haben uns sehr gewundert, wie sehr viele der spektakulären Tongkonan (die berühmten Schiffsbug-Häuser) es gibt. Sie stehen einfach überall, meist in kleinen zweireihigen Gruppen im Zentrum der kleinen Dörfer. Wirklich einzigartig!

Schon nach kurzer Zeit kamen wir zufällig an einer Begräbniszeremonie zwischen solchen Tongkonan vorbei und gesellten uns dazu. Hier ist eine Begräbniszeremonie etwas öffentliches und Besucher sind willkommen.

Eine Menge schwarzgewandter Torajaner saß um den kleinen Platz zwischen den Tongkonan, während ein paar fest verschnürte, aber noch lebende Schweine auf dem teils blutigen Platz lagen. Diese Opfergaben wurden registriert (sie müssen versteuert werden) und die Größe des Opfers wurde laut per Mikrofon bekanntgegeben. Besuchende Familien zogen um den Platz, bevor sie ihren Platz zugeteilt bekamen.

Uns wurde Tee und ein Gebäck angeboten, das an Hundeköttel erinnerte, zumindest optisch. Alles wurde akribisch von mehreren beauftragten Foto/Videografen festgehalten, einiges auch mit Drohne.

Kurze Zeit später wurde, nachdem sich der Opferbeauftragte vom ordnungsgemäßen Zustand der Opferspende überzeugt hatte, ohne großes Aufheben ein Messer gezückt und das verschnürte Schwein mit einem schnellen Stich ins Totenreich befördert. Oh! Das kam überraschend.

So ging es vermutlich noch eine Weile weiter, wir sind dann aber auch schon wieder gefahren, weil wir ja eigentlich noch ein paar andere Ziele hatten.

An den ersten Steigungen merkten wir, dass der eine Scooter ein wenig schwachbrüstig für diese Berge war und kurz darauf platzte auch noch der Hinterreifen, glücklicherweise ohne weitere Folgen. Nun mussten wir aber eine Werkstatt suchen und dazu mit dem Roller vorsichtig einen Kilometer wieder zurückfahren. Dort fanden wir einen jungen Werkstattbesitzer, der schnell den Mantel entfernte und einen neuen Schlauch einzog. Nach ca. 15 Minuten konnten wir schon weiter. Etwa 5 EUR hat die Reparatur gekostet, inkl. Schlauch.

Wir sind dann bei einsetzendem Regen wieder als Müllquallen verkleidet weiter den Berg raufgefahren, bis wir an einem netten Café-Restaurant ankamen, wo wir Chicken-Katso mit Pommes essened auf das Ende des Regens gewartet haben. Guten Kaffee gab es auch!

Die Leistungsfähigkeit des neuen Schlauchs konnten wir kurz nach Regenende testen, als Google uns auf eine kleine Abkürzung in Form eines extrem steilen und streckenweise extrem holperigen Weg durch die Landschaft schickte. Der Reifen hat sich zwar bewährt, aber wegen des schlappen Motors musste ich häufiger absteigen und schieben … Immerhin kamen wir so durch wirklich schöne Reisfelder und Dörfer mit weiteren Tongkonan, die wir gerne genauer angesehen haben.

Das erste richtige Ziel war aber ein Friedhof. Dieser ist in Toraja aber vertikal: In einen risigen Felsen sind die Gräber eingeschlagen worden und mit einer Tür verschlossen. Vor der Tür sitzen dann teilweise lebensgroße 3d-Abbilder der Verstorbenen. An einem neuen Grab wurde gerade noch von einem Steinmetz, der auf einer langen Bambusleiter stand, gehämmert.

Etwas weiter gab es noch einen kleinen Stop an einem schönen Panoramapunkt. Hier haben wir dann beschlossen, den weiteren Sehenswürdigkeitspunkt zu skippen und direkt zurück nach Alang Alang zu fahren, denn die Sonne fing schon langsam an, sich senkrecht dem Horizont zu nähern.

Durch die wirklich tolle Mischung aus Togkonan-Dörfern, vereinzelten Felsen mit Grabtüren, Reisterrassen, Riesenbambuswäldern, kurvigen steilen Straßen ging es dann wieder auf das Niveau der Talsohle, wo vor allem riesige Reisfelder dominierten.

Durch Rantepao wurde es dann etwas nerviger, weil hier natürlich mehr Verkehr war, aber wir haben es doch unbeschadet zu unserer Hütte geschafft, wo unser Gastgeber schon ein besonderes Gericht vorbereitet hat: zusammen mit seinem Gärtner hat er ein grau-matschiges Gemisch aus Bananenpflanzensprösslingen (sehen aus wie ein etwa 80cm langer dicker, harter Pfanzenspeer), Kokos, Zwiebeln, Knoblauch, Salz, Glutamat und Hühnerfleisch in dicke Bambusstangen gestopft und diese Röhren dann über einem Lagerfeuer gegart. Der Gärtner war dabei ständig damit beschäftigt, das Feuer ordentlich anzufächeln. Währenddessen haben wir mit unserem Guide für Morgen geplant. Leider fand alles in einer etwas matschig-lehmigen Baustellen-Ecke des schönen, aber wilden Garten statt, wo man sich nicht nett um das Feuer setzen konnte.

Als nach gut einer Stunde alles gar sein sollte, wurden wir in die Küche der Mutter gebeten, die inzwischen mit unserer frisch gewaschenen und zum Trocknen unterhalb der Decke aufgehängten Wäsche geschmückt war, weil draußen bei dem Regen nichts trocknet. So saßen wir also zwischen unserer Unterwäsche und stellten fest, dass aus den verkohlten Bambusrohren nun ein heiß dampfendes grau-matschiges Gemisch geholt und vor uns auf einen Teller gestellt wurde.

Die Speise sah zwar schlimm aus, schmeckt aber OK. Leider haben sie wirklich zu wenig Gewürze, Zwiebeln und Knoblauch verwendet, daher war alles ein wenig fade. Das eingesetzte, zerkleinerte Huhn (komplett mit Füßen) schmeckte aber wirklich sehr gut. Als Fazit kann man festhalten, dass Bambus einen guten Kochtopf abgibt und Bananensprösslinge zumindest ein brauchbares Beilagengemüse. Und auf diese Weise zubereitet war es wirklich etwas besonderes.


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