9 Stunden binärer Fahrmodus für elastische Köttbullar
2022-07-30 von frischnetz | Comments (2)
29.7.2022, Tentena, Sulawesi: Nach einer zur Abwechslung mal recht kühlen Nacht im Ue Batu Guesthouse konnten wir heute erstmals bei Tageslicht diesen 600m hoch gelegenen Ort sehen. Scheint eine nette Landschaft zu sein, schade, dass wir keine Zeit haben, hier ein paar Nächte zu bleiben, aber sonst kommen wir nicht mehr passend zum Rückflug.
Nach einem ToastFrühstück in Gegenwart einer unzufrieden maunzenden Katze auf einer von kleinen Fischteichen umgebenden Terasse, ging es auch gleich schon wieder weiter. Heute stehen 318km auf der Google Map, 8:25 Stunden reine Fahrtzeitprognose.
Die Fahrt dauert vor allem deshalb so lange, weil es einen großen Teil der Strecke auf einer zerknäulten Strecke teilweise bis zu 1100m durch die wirklich beeindruckenden, ziemlich steilen und sehr dicht bewaldeten Berge ging. Außer an der Straße gibt es nichts, was wie eine Siedlung aussieht – und es sieht auch nicht so aus, als wenn sich diese Landschaft nicht für entlegende Bergdörfer eignet. Aber wer weiß, was sich in diesem Regenwald alles noch an undefinierten Viechern finden lässt …
In den flacheren Abschnitten ging es zwar prinzipiell schneller voran, aber es gab auch mehr Besiedlung und damit auch mehr Verkehr.
Unser Fahrer legte zwischendurch zweimal eine Gebetspause an einer der kleinen, aber meistens gut gepflegten Dorfmoscheen ein, während wir uns ein wenig die Beine vertraten.
In einer etwas größeren Ortschaft (Stadt?) haben wir irgendwann noch ein paar kalte Hühner-Sate-Spieße mit Reis und Erdnusssauce gegessen. War OK, aber auch nicht doll.
Der letzte Abschnitt vor Tana Toraja war zwar auch sehr kurvig, aber irgendwie fuhr der Fahrer hier etwas entspannter, nicht im üblichen binären Modus, der nur aus Beschleunigen/Überholen und Bremsen besteht. Es gab jetzt auch den Modus »in konstanter Geschwindigkeit fahren«.
Die Kulturlandschaft änderte sich ebenfalls: es gibt wieder Reisterrassen, dazwischen auf Hügeln kleine Dörfer mit den einzigartig und elaboriert aussehenden Schiffsbug-artigen Hütten der Toraja, einem recht isolierten Volk, welches vermutlich mal aus China eingewandert ist und eine einzigartige animistisch-mystische Religion hatte, die sehr auf den Tod und das Jenseits ausgerichtet ist. Heute sind zwar fast alle Christen, aber zumindest die aufwändigen Begräbnisriten sind noch erhalten geblieben.
Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir dann unsere Unterkunft in Alang Alang, 5km südlich von Rantepao: Eine kleine zweistöckige Privathütte in einem Garten, etwas zurückgesetzt von der Straße. Leider etwas klamm wegen des vielen Regens der letzten Tage (die echte, jetzt eigentlich angesagte Trockenzeit gibt es seit ein paar Jahren wohl kaum noch), aber doch ganz nett. Und der Gastgeber scheint auch sehr freundlich und hilfbereit zu sein. Wir sind anscheinend die ersten internationalen Gäste, seit er die Hütte in der Pandemie geschlossen und renoviert hat.
Wir wissen nur noch nicht, wie der Blick von der Glasfront ist, weil alles total dunkel ist. Bestimmt furchtbar!
Zum Abendbrot gab es im Bakso-Restaurant nebenan – Bakso. Indonesische Köttbullar in leckerer Fleischbrühe, die durch eine Extraportion Stärke ihren besonderen, elastischen Biss bekommen.
Kommentare (2)
AWW:
2022-07-30 um 18:54
Der Meister des Fahrens von 90° Winkeln moniert die "binäre" Fahrweise eines Chauffeurs? ????
Polyesther:
2022-08-01 um 01:32
Ich war in den kurvenreichen Ecken die ganze Zeit kurz vorm Kotzen durch die Fahrweise.
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