Wir waren die Hauptattraktion auf einem Friedhof
2022-07-15 von frischnetz | Comments (1)
15.7.2022, Manado, Sulawesi: Der mittlere Hund hatte sich heute schon wieder recht gut von der gestrigen Erkältung erholt, dafür war der Welpe jetzt verschnupft und wollte lieber den Tag im Bett verbringen. Darf er auch!
Wir sind also heute mal wieder nur zu zweit unterwegs gewesen, mit einem vom Guest House empfohlen"aen Fahrer zum Waruga-Friedhof nahe Airmadidi gefahren. Oder vielmehr geschlichen, denn der Fahrer war einer der langsamsten, die wir je hatten. Sehr nett, erstaunlich groß für einen Indonesier, aber als Fahrer geradezu glazial langsam. Und dass trotz der hier in der Nähe von Manado außergewöhnlich großzügigen Straßen, fast ohne Verkehr. Dabei haben wir nichtmal den mautpflichtigen Highway nach Bitung befahren, der noch größer ist – und soweit wir das sehen konnten – komplett leer war.
Die Gegend ist leicht bergig, sehr grün bedschungelt und nicht so dicht besiedelt wie andere Ecken Indonesiens. Die Dörfer hatten oft sehr viele größere Holzhäuser auf Stelzen und sahen generell etwas weniger chaotisch und mit vielen Blumen und Pflanzen auch sehr hübsch aus. In Hintergrund tront der Gunung Klabat, ein erloschener Vulkan und mit ca. 2000m der höchste Berg Sulawesis, der der Insel auch ihren alten Namen Celebes gegeben hat.
Am Friedhof angekommen, war der kleine Parkplatz überraschenderweise komplett mit Bussen vollgeparkt und eine große Menge indonesischer Schulkinder mit ihren Lehrern ergoss sich gerade auf das Gelände. Normalerweise ist das hier nicht die Hauptattraktion der Insel – und auch westliche Touris haben wir hier noch gar nicht gesehen, daher hatten wir eigentlich erwartet, komplett allein zu sein.
Kaum hatten die Schulkinder uns wahrgenommen, war der Friedhof sowieso langweilig und wir durften uns mal wieder so fühlen wie damals, als wir noch weltberühmte Hollywoodschauspieler waren: Winken, Hallo, Selfies, schüchterne Gesprächsversuche in brüchigem Englisch und Trauben von aufgeregtem Jungvolk um uns herum. Danke, dass wir das nochmal erleben durften!
10 Minuten später waren alle aber schon wieder verschwunden und wir waren tatsächlich alleine hier mit den Warugas. Die Warugas sind Gräber und Grabstein in einem: Die Toten wurden in fötaler Haltung in einen ausgehöhlten quadratischen Steinbehälter gesetzt und mit einem dachförmigen Deckel verschlossen, der mit Hinweisen auf den Job des oder der Toten geschmückt ist. Das wurde von den hier lebenden Minhasa seit der Steinzeit gemacht, bis die Holländer meinten, das sei doch unhygienisch und es verboten haben. Hier stehen auf einem kleinen Teil des Friedhofs etwa 140 Warugas.
Im Anschluss wollten wir was essen und holten uns von der Frau, die den Friedhof verwaltet und auch ein wenig Auskunft gibt, wo es denn gutes lokales Essen gibt. Sie beschrieb unserem Fahrer einen Ort, wo vorne auf der Straße gerade ein Schwein auf einem Tisch zerlegt wurde. Hinten gab es, wie in vielen indonesischen Garküchen, viele Schalen mit vielen unterschiedlichen frischen Curries, meist mit Schwein, aber auch Huhn, Schlange oder einfach unterschiedlichen Gemüsen.
Wir haben uns ein paar kleine Schalen mit Schwein, Huhn, Schlange und einem sehr fruchtig schmeckenden Bambuscurry ausgesucht, dazu gab es – natürlich – Nasi Putih, weißen Reis, etwas Brühe mit einem Klumpen Fleisch drin und Tee, alles für 45000 – für drei, also etwa ein Euro pro Person. Die Curries waren alle wirklich sehr lecker, leicht scharf, aber absolut gut essbar. Nur die kleinen Schlangenstücke hatten leider nur wenig Fleisch, der Rest war Haut und Knochen (mit dünnen Rippen, fast wie die Gräten beim Fisch.
Nächster Stopp war ein Wasserfall. Leider war der Weg dahin mit einigen Schlaglöchern versehen, was unseren Schneckenfahrer nur noch sehr sehr viel langsamer fahren lies. Wir erfuhren von ihm, dass er so groß ist, weil seine Vorfahren Niederländer und Mongolen waren, was auch seine hohen Wangenknochen erklärt. (Leider erklärte es nicht, warum er so langsam fahren musste …)
Zum Wasserfall geht man ein etwa 300 Meter auf einem betonierten Weg durch den leicht tropfenden Dschungel und freut sich, dass der Weg betoniert ist, weil man sonst nur durch Matsch laufen müsste. Am Ende des Wegs und des Tals findet sich tatsächlich ein sehr schöner Wasserfall, den wir wieder komplett für uns alleine hatten. Die Schülergruppe war wohl schon wieder durch. Fast schade …
Dann ging es wieder sehr laaangsam nach Hause. Zum Abendessen haben wir uns dann nochmal an einen anderen Teil der Uferpromende bringen lassen, wo auf der einen Straßenseite ein riesiges Fischrestaurant neben dem anderen steht und sich auf der anderen Seite (der Seeseite) auf dem Bürgersteig ein kleiner Essenstand mit improvisierter Küche, ein paar Tischen und Monobloc-Stühlen an den anderen reiht. Wobei die Restaurants so extrem aus den Küchen rauchten, als würde die halbe Stadt in Brand stehen. Viel Spaß, dort mal ein Immissionsschutzgesetzt durchzusetzen!
Viele der Stände bieten Maiskolben oder gegrillte Kochbananen an, wir haben aber spontan Cakwe gegessen, frittierte Teigstreifen, die an Churros erinnern. Der mittlere Hund hatte welche mit Schokoladensauce und Käse, ich hatte welche mit Hühnerwurstfüllung, scharfem Ketchup und Majo. Seltsam, aber vollkommen OK als Abendessen, dazu sehr billig. Und wir wurden wenigstens nicht geräuchert.
Kommentare (1)
AWW:
2022-07-18 um 22:35
Liebe Jennifer, lieber Brad, wenn es Euch so viel bedeutet, werden wir Daheimgebliebenen es sicher mal schaffen, uns zusammenzurotten, Euch in Kreischanfällen zu Füßen zu liegen, sei es für ein Autogramm oder auch nur den Hauch eines Lächelns.
Wenn der Fahrer Vorfahren aus NL hat: da darf man ja jetzt auch nur noch 100 km/h auf ABs fahren!
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