Geringsing-Regenrituale
2022-07-11 von frischnetz | Comments (0)
11.7.2022, Amed: Nach einem gewohnt leckeren Frühstück mit Meeresblick (Mie und Nasi Goreng, Papaya, Banana Pancakes und Tee), wollten wir die für heute bestellten Scooter für unseren Ausflug abholen, aber – wir sind immer noch in Asien – die waren nicht da. So mussten wir leider noch ein wenig warten, mussten dann noch verschiedene, mehr oder weniger schrottige Helme ausprobieren, bis wir abflugbereit waren. Ach ja, tanken mussten wir auch noch, bei einem Benzinfass mit Kurbel, die von einer kleinen alten Frau bedient wurde und ohne einen Tropfen zu kleckern den Tank befüllte. Mit den zwei Mopeds ging es erst auf etwas verkehrsreicheren, kurvigen Straßen mehrere Täler und Berge rauf, später dann sind wir auf kleinere Straßen durch eine schöne Mischung aus Reisfeldern, Dschungel und balinesisch geschmückten Dörfern zum Dorf Tenganan geknattert, vorbei an erstaunlich vielen Grüppchen von Menschen, die gerade am Straßenrand an besonderen Ritualen teilnahmen.
Das letzte Stück des Weges runter ins Dorf, den Google Maps uns als Moped-Weg vorgeschlagen hat, war zwar tatsächlich ein Moped-Weg (jemand kam rausgefahren, als wir reingefahren sind), aber der steilste und abenteuerlichste, den wir bisher befahren sind. Etwas einen Meter breit aus ziemlich kaputtem Asphalt und mit einer Steigung, dass man vom Bremsen fast Krämpfe bekam. Der einsetzende Regen sorgte leider bei uns für eine deutliche Vertrauensreduktion in die Haftreibung von Gummi auf moosigem Asphalt. Aber wir kamen heil unten an und ersparten uns so einen Umweg von fast 20 Minuten.
Das Dorf ist berühmt, weil seit Jahrhunderten nur gebürtige Dorfbewohner hier leben dürfen und es dadurch seine präbalinesische Kultur erhalten hat. Dazu gehört das besondere Doppel-Ikat-Webverfahren für die Geringsing-Stoffe. Das ist so berühmt, dass praktisch jeder im Dorf eine Demonstration seiner Webkunst anbietet und die Stoffe verkauft. Es scheint eine hervorragende Einnahmequelle bei den wohl sonst häufigen Touristen zu sein. Darauf haben wir verzichtet, aber trotz des Nieselwetters den eigenwilligen Aufbau und die Architektur des Dorfs angesehen. Es ist langgezogen ein Tal hochgebaut, ähnlich gestuft wie die Reisterrassen, aber mit kleinen 1 bis 2m hohen Rampen dazwischen. Alles sehr hübsch und aufgeräumt, aber zweifelsohne kein reines Museumsdorf.
Als es stärker zu pladdern begann, sahen wir den Eingang zu einem Garten mit dem Schild »the best coffee in town« und fanden uns in einem kleinen Garten mit einem improvisierten Unterstand wieder, wo wir vom sehr netten Besitzer eine Instantkaffeebeutel mit heißem Wasser begossen bekamen. Er erzählte uns ein wenig von seinem Leben im Dorf und dass sein längst verstorbener Vorfahre ihm in einem Ritual erzählt habe, er solle Späne eines bestimmten roten Holzes aufgießen und trinken. Wir haben eine kostenlose Probe der Späne bekommen und sollten auch diesen Tee probieren. Er war rubinrot, hatte aber keinen Eigengeschmack. Es sei wohl ein in Indonesien bekanntes Hausmittel bei Verdauungsbeschwerden. Glücklicherweise folgte daraus kein Verkaufsgespräch, im Gegenteil, der Mann lehnte sogar das Trinkgeld für den Kaffee ab.
Nach einer Runde durchs Dorf fuhren wir Richtung Küste, um einen sichereren, wenn auch längeren Rückweg zu nehmen. Zuerst gab es aber Mittag in einem netten Restaurant mit schönem Blick über Reisfelder (Crispy Duck mit balinesischen Sambals sowie Gemüsecurry mit Garnelen und Reis. Wir waren da schon ganz schön nass, aber als wir auf die Reisfelder blickten, ging der Regen erst richtig los. Und wir freuten uns auf etwa eine Stunde Rückfahrt ohne Regenklamotten.
Aber es gibt ja noch eine Geheimwaffe: Das Regenponchoritual. Man besorgt sich im nächsten IndoMart jeweils einen blassgrünen Einweg-Regenponcho für 16500 Rupiah, streift ihn über seine bereits nassen Klamotten und fährt los, so dass man wie eine fahrbare, knatternde Mülltütensauna aussieht. Augenblicklich stoppt der Regen und man könnte jetzt trocken ankommen, wenn der Poncho nicht die Fahrtwindtrockung der Kleidung verhindern würde.
Aber besser als nichts. Wir haben dann noch den Welpen eingesammelt, der heute viel gelesen und sich alleine vom Urlaub erholt hat, haben unsere Tauchsachen vom Divecenter eingesammelt, bezahlt und sind nach Sunset beim Sunsetpoint angekommen, um stinkend dort im chilligen Dachterassen-Restaurant zweimal Pizza und einmal Nasi Campur (Reis mit irgendwelchen unterschiedlichen Beilagen) zu futtern.
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