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Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

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Gecko-Kacke ist selten von Vorteil

2019-08-04, Tete Batu, Lombok: Gestern: Gestärkt vom – wie üblich in diesem Guest House – reichhaltigen Frühstück, rollten wir unsere Rollrucksäcke durch Gili Air, plünderten noch einen Geld-Automaten, der diesmal keine lange Schlange hatte und besorgten uns zwischen Unmengen Touris, die auf ihre Schnellboote nach Bali oder andere Inseln warteten, drei billige Tickets für die Public Ferry nach Bangsal. Die Wartezeit, bis die Liste mit den Fahrgästen endlich voll war, überbrückten wir mit einer Art Eiskaffee mit Haselnusscreme statt Kaffee.

Nach gut einer halben Stunde war die Liste offenbar voll und wir wurden aufgefordert, an den Strand neben dem Steg zu gehen, wo wir auch schon angekommen waren. Unsere schweren Koffer balancierend kletterten wir dann durchs Wasser auf das schwankende Boot und fuhren zügig, aber ohne Hast wieder an »Land« – wenn man ignoriert, dass Lombok ja auch nur eine Insel ist.

Mit nassen und vom schwarzen Sand dreckigen Sandalen und Füßen rollten wir die Koffer anschließend an einer nicht enden wollenden Anzahl von Leuten vorbei, die wissen wollten, wo wir hin wollten und uns penetrant ihre Taxidienste andienen wollten. Nein danke …

Nach einem kleinen Futterstop für den Welpen waren wir nach etwa 700m am Ziel, dem Bluebird-Metered-Taxistand, wo wir einen Wagen für die zwei Stunden bis zum Ziel in Tete Batu nahmen. Vor allem im ersten Abschnitt der Fahrt ging es wieder an sehr viel beschädigten Häusern und Baustellen vorbei, dann folgte Mataram, die Hauptstadt der Insel, eigentlich nur eine Verklumpung auswuchernder Dörfer. Danach wurde es dann aber schnell besser, statt Häusern und Plastiktüten gab es Reisfelder und viele Blumen am Straßenrand. In schwacher, stetiger Steigung ging es die flachen Hänge des Rinjani hinauf.

Unsere Unterkunft besteht aus mehreren Hütten, die um Reisterrassen angeordnet sind. Drinnen sind die Hütten sehr spartanisch eingericht, aber an sich ist es ganz nett hier.

Weil wir sehen wollten, woher die traditionelle Musik kommt, die wir hier hören konnten, haben sich die beiden größeren Hunde gegen späten Nachmittag nochmal kurz zu einem kleinen Spaziergang aufgemacht. Dem Klang folgend, sind wir dann querfeldein über diese Erdwälle, die die Nassreisfelder voneinander abtrennen. Das war zunächst auch ganz schön, die Landschaft ist wirklich extrem ansehnlich mit den grünen Reisterrassen und Palmen. Irgendwie kamen wir der Quelle der Musik aber nicht näher und irgendwann setzten auch noch diverse Moschee-Gesänge aus allen Richtungen ein. Wir wollten von unseren – auf keinen Karten eingezeichneten Wegen – auf die eingezeichneten Wege wechseln, allerdings klappte das nicht wie geplant. Statt dessen kamen wir durch winzige Dörfer (eigentlich nur ein paar umzäunte kleine Hütten) mit ein paar Kühen, vielen Hühnern, total aufgeregten Hunden, die uns anbellten und freudigen Einheimischen, die und anlächelten und sich sicher sich ein wenig darüber amüsierten, dass diese komischen Leute einfach so durch ihren Bauernhof latschten. Irgendwann fanden wir dann auch die Straße und kamen nach Sonnenuntergang dann auch wieder im Guesthouse an.

Als wir uns später nach dem Abendessen und Lesen müde schlafen legen wollten, stellten wir fest, dass in unserem Bett ein Haufen Gecko-Scheiße (oder was ähnliches) lag, den die Angestellten hier wohl übersehen hatten, also mussten wir nochmal die schon schlafenden Guesthouse-Leute wecken und um frisches Bettzeug bitten, was wir dann auch bekamen. Ab sofort legen wir noch ein Extralaken drauf, falls da nochmal was drauffallen sollte. Grmpf!

Heute haben wir uns dann mal wieder Mopeds besorgt, haben wieder Benzin aus Glasflaschen am Wegesrand getankt und sind auf sehr schön mit knallroten Ti-Pflanzen (Cordyline fructicosa) gesäumten schmalen Straßen durch aufgeräumte Dörfer und Reisfelder nach Norden zum Rinjani-Nationalpark gerollt, wo wir nach einer gut halbstündigen Wanderung durch einen teils dichten, teils lichten Wald aus urigen Bäumen zu einem schicken Wasserfall gelatscht sind. Ein paar graue Affen konnte man aus der Entfernung in den Bäumen sitzen und rumspringen sehen. Die Ansicht des Wasserfalls wird leider durch eine betonierte Plattform mit zwei halb zerfallenen Umkleidekabinen etwas getrübt, aber ansonsten sieht er ganz schick aus. Diverse Indonesier haben hier sich mit dem Wasserfall und auch mit der noch größeren Sehenswürdigkeit (uns) fotografiert.

Das nach dieser Wanderung vediente Mittagsessen wollten wir in einem kleinen Warung einnehmen, das extra für uns aufgemacht wurde. Leider hatte ich ein Gericht bestellt (Olah Olah), das leider überhaupt nicht meinen Geschmack traf und so habe ich nur den separaten Reis gegessen. An sich kein Problem, kommt mal vor, wenn man was neues Ausprobieren will. Der sehr freundlichen Besitzerin des Warungs war das aber irgendwie peinlich und hat sich daraufhin ständig bei uns entschuldigt, während wir die ganze Zeit beteuerten, dass es kein Problem sei, das ist einfach nicht mein Geschmack und dass der Reis schon reiche und so weiter. So wurde es dann wenigstens auch für uns noch peinlich. Und zuguterletzt setzte dann noch die viel zu laute Lautsprecheranlage der Moschee gegenüber an und wir wurden noch mit schiefen Gesängen bedacht. Argh!

Gegen Nachmittag sind wir dann noch zum nahen »Mongkey-Forest« gefahren, wo wir nicht wussten, was uns erwartet und wo wir praktisch die einzigen Besucher waren. Wir haben aber offenbar alles richtig gemacht, denn nach einem kleinen Fußmarsch durch dieses lichte und schöne Waldstück, sahen wir am Boden ein paar graue Affen ohne und in den Bäumen ein paar schwarze Affen mit langem Schwanz, die von Baum zu Baum sprangen. Sehr schöner Nachmittagsspaziergang!

Zum Sonnenuntergang habe ich dann noch einmal kurz am Straßenrand den Flughund gestartet, was wie immer mit einer Traube Einheimischer und vielen Kindern endet, die um einen herum auf das Display schauen und fachsimpeln.

Man sollte meinen, hier auf dem Land sei es Abends schön ruhig und außer Grillen sei nichts zu hören, aber weit gefehlt! Gegen Abend setzen hier die hiesigen Moscheen ein, stundenlange Gesangseinlagen und theologische Erörterungen in die Nacht zu blasen. Und zwar von jeder der bestimmt fünf in Hörweite ein unterschiedliches Programm. Und bestimmt gibt es irgendwo auch noch ein private Feier, wo vielleicht noch etwas Bollywood-Soundtracks gespielt werden … Da wünscht man sich fast den Straßenlärm zurück.


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