Startbild

Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

Startbild

Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

Wüstlinge!

3.10.2018, Amman: Rechtzeitig vor 10 sind wir mit »Husky«, unserem untermotorisierten silbernen Chevy Cobalt erstmal durch den geschmeidigen Ammaner Verkehr, der keine Fahrspuren, Blinker und Vorfahrtregeln kennt, geglitten und auf den Desert Highway 40 Richtung Irak eingebogen. Als es drohte, ein wenig zu wüstig zu werden, haben wir an einer kleinen Raststelle gehalten, einen türkischen Kaffee mit Kardamom, ein paar Backwaren für unterwegs und eine Asia-Nudelsuppe fürs Kind erstanden.

Der Desert Highway ist zwar keine Autobahn, aber recht gut ausgebaut und wird von ziemlich vielen Lastern befahren, anfangs noch vierspurig, später zweispurig mit großzügigen Standstreifen. Die Wüste ist hier eine wenig hügelige Fläche aus dunklen Steinen auf Sand, neben der Straße verläuft eine Stromleitung, am Straßenrand liegen gruselig viele zerfetzte LKW-Reifen und überall tanzen Sandteufel. Seltsamerweise gibt es aber immer wieder mal irgendwo weit ab von der Straße ein Haus, ein Zelt, einen Armee-Wachturm, einen Zaun oder eine Schafherde(!). Und es stehen an der Straße auch immer wieder mal auf freier Strecke Leute, die zum Trampen ihren Zeigefinger(!) ausstrecken. Weiß der Sandteufel, wo die herkommen.

Nach einer Dreiviertelstunde kamen wir bei Qasr al-Kharaneh an, einem trutzigen Wüstenschloss, mitten in der Einöde, von dem man eigentlich nicht genau weiß, warum es dort steht oder wie alt es genau ist. Zwei Stockwerke um den Innenhof mit Stallungen und kleinen Hallen sind ziemlich gut erhalten. Wirklich ein Kleinod. Nebenan kann man in einem geräumigen und gemütlichen Zelt eines Beduinen Tee bekommen. Da der Welpe seine Mütze nicht dabei hatte, haben wir ihn mit einem Tuch ausgestattet.

Nach einer weiteren Etappe kamen wir nach Qasr Amra, einem kleinen Weltkulturerbe-Wüstenschloss aus dem 8. Jahrhundert mit einigermaßen gut erhaltenen säkularen Fresken und einem Bad. Auch ein kleiner, aber wirklich interessanter Ort, mitten im Nirgendwo.

Weitest entfernter Punkt unserer Tour war Qasr al-Azraq, etwa 100km östlich von Amman, eine echte Festung, die wohl von den Römern um 300 gegründet und 1200 von den Ummayaden umgestaltet wurde. Das ganze Teil ist aus schwarzem Basalt statt aus Sandstein und sieht daher deutlich düsterer aus. T. E. Lawrence (ja, DER Lawrence!) hatte hier im Raum über dem Eingang für eine kurze Zeit sein Büro. Interessanterweise sind die Türen einzelne Steinblöcke, mit Zapfen aus Stein, die sich in anderen Steinen drehen. Teilweise sind die Türen 3 Tonnen schwer.

Wir hatten uns hier das erste Mal breitschlagen lassen, einen (offiziellen) Führer zu nehmen, aber der war so schlecht (hat z.B. die ganze Zeit am Telefon gespielt, genuschelt und kaum was interessantes erzählt), dass wir beschlossen haben, davon in Zukunft abzusehen. Wenigstens war der deutlich billiger als andere vorher.

Auf dem Rückweg über eine andere Strecke haben wir noch das kleine und teilweise sehr aufwändig rekonstruierte Hammam al-Sarah besucht. Es gab keinen Posten (mehr) am Eingang, aber das Tor stand noch ein wenig offen, da sind wir einfach mal rein. Wir waren hier also ganz alleine, aber es gab auch an den anderen Wüstenschlössern eigentlich nur immer eine handvoll Besucher. So ist mir das deutlich lieber als in Indonesien.

In kurzer Entfernung dann noch zum Abschluss Qasr al-Hallabat, einer Festung wieder ursprünglich aus römischer Zeit, diesmal teilweise aus Basalt teilweise aus Sandstein, mit einigen schlichten Bodenmosaiken, allerdings schon ziemlich zerfallen und mit einer ebenfalls schlichten Moschee nebenan, die später hinzugefügt wurde. Auch hier waren wir wieder im Grunde alleine. Die Sonne stand etwas tiefer und es war nicht mehr so heiß. Sehr angenehm

Um dann nicht wieder durch die Innenstadt fahren zu müssen, haben wir einen kleinen Umweg über den Norden der Stadt gemacht. Auch hier gab es an einigen Stellen Stau, weil es hier auch teilweise sehr bebaut ist.

Weil der mittlere Hund noch unbedingt ein paar Fotos von einer Ziegenherde machen wollte, haben wir an einer etwas unbelebteren Ecke bei einem Haus geparkt. Die dort lebende Beduinenfamilie (Vater, Mutter, zwei Söhne, Großvater und Großmutter) hat uns sofort freundlich begrüßt und (trotz nur marginaler Englischkenntnisse bei der sehr freundlichen Mutter) wurden uns die ganzen Tiere gezeigt: Hühner (welche in Waschmaschinen leben), die Ziegen und – der ganze Stolz – ein Araberhengst, der sich erstmal austoben musste. Vor allem der Großvater in Beduinentracht war sehr begeistert von unserem Spontanbesuch. Wir bekamen auf der Terasse ihres schicken, recht neuen Hauses Tee angeboten und haben versucht, so gut es geht, ein paar Infos auszutauschen. Wirklich eine sehr sehr nette Begegnung!

Zum adäquaten Abschluss des Tages haben wir nun endlich das echte »Dina's« gefunden, welches falsch im Guidebook benannt war. Es ist ein geschäftiger, voller Laden mit praktisch nur einem Gericht: Eine Platte mit gegrillten Sachen, einem Salat mit Ful und Hummus (welchen wir leider abgeleht hatten, weil wir befürchteten, dass es zu viel wird) und Fladenbrot. Zwischendurch kommt ein Kellner mit einer großen Teekanne vorbei und gießt Tee nach. Alles wie immer in Jordanien wirklich sehr sehr lecker und genau das richtige im richtigen Moment!

Morgen geht’s Richtung Norden! Und für Euch gibt es einen Test über die erwähnten Wüstenschlösser!


Kommentare (8)

  1. Esther:
    2018-10-04 um 08:11

    Ich muss da noch mal mit Jörg reden. Der Hengst war eine Stute.

  2. SNEWW:
    2018-10-04 um 16:55

    Ich habe eben erst die ersten Wüsten-Zeilen gelesen, bin bereits in Schnappatmung verfallen und muss UNBEDINGT wissen: wer von den großen Hunden saß am Steuer??? Ich rufe nur kurz unsere (wüste ... haha) Fahrt zu Petulas und Dullis Hochzeit in Erinnerung.

  3. sister:
    2018-10-04 um 19:18

    Ich will Schafe!

  4. VWW:
    2018-10-04 um 21:18

    Also, ich muss meinen Name für diese Fahrt nochmal ändern, die Gehirnzelle, in der SNE gespeichert war, ist futsch ... Dafür nun ein einfaches V vür/für ...
    1. Konntet Ihr durch das Einsacken von Nahrungsmitteln das Wüstigwerden verhindern?
    2. Welchen Durchmesser haben die Sandteufel? Halten die sich lange?
    3. Wie warm ist es? Ich bin verwirrt, den Welpen in Hose zu sehen!!! Kopfbedeckung gegen Sonne oder gegen Sand?
    4. Dürfte man die 3 t schweren Türen bewegen?
    5.ich hab ja beim Lesen, dass Ihr Euch einfach Mal eingeschlichen habt, weil die Tür offen stand, wieder die Krise bekommen :-) Was, wenn das Tor von einem eifrigen Türwärter geschlossen CC worden wäre??? Aaaahhhh ...
    6. Für Sther: eine Ziege macht noch keine Schafherde ... Oder: mein Schaf, Dein Schaf, Schaf ist ..., Kommt's Schaf heut nicht, kommt's Schaf morgen .. ????
    6. Vielleicht war die Araberstute ja auch Dein Schaf ... Im Stutenpelz ...
    7. Gute Nacht :-)

  5. Maren:
    2018-10-04 um 22:50

    Ich mag die Hühner! Wahrscheinlich hatten die Tramper eine Original Jeannie Flasche mit dabei!

  6. Jörg:
    2018-10-05 um 00:54

    @VWW:
    1. Wie meinen?
    2. 1 bis 5m, geschätzt. Manche standen so lange, wie es dauerte, bis wir vorbeigefahren waren
    3. In Amman: bis 31 Grad, in der Wüste eher 35, im Jordantal bis 37. Luftfeuchtigkeit meist bei 35%, also angenehm. Welpe will sich züchtig kleiden. Kopftuch gegen Sonne.
    4. Nein, die sind nicht geölt, aber es gab kleinere Eingangstüren, die vermutlich eine Tonne wiegen, die konnte man bewegen. Braucht aber schon etwas Kraft.
    5. Haben wir uns schon gedacht :-) Wir wären über den Zaun geklettert.
    7. Danke!

  7. Esther:
    2018-10-05 um 07:56

    @sister: Hier im Jordantal ist nix mit Schafen. Es gibt Feigenbäume, Granatapfelbäume, Esel, Hühner

    @VWW: Ich kann mich zwar daran erinnern, dass wir zu besagter Hochzeit gefahren sind, die Details erinnere ich allerdings nicht. Aus meiner langjährigen Erfahrung mit den Mitfahrern bringt meine Fantasie allerdings einige Blüten hervor.

  8. sister:
    2018-10-05 um 09:41

    Ziegen, Feigen, Granatapfel-Bäume, und Esel sind auch ok!!


Kommentieren

Dieser Thread wurde geschlossen.


Stand With Ukraine. Stop Putin. Stop War.