Penalty of DEATH.
2018-07-24 von frischnetz | Comments (0)
23.7.2018, Yogyakarta: Nach dem allseits beliebten morgendlichen Rucksackpacken haben wir eine gut gelaunte halbe Stunde damit zugebracht, per App Taxis zum Guesthouse (Griya Mulya) zu lotsen, nur um festzustellen, dass sie jeweils sonstwo landeten, bevor wir merkten, dass die App einen falschen Standort gespeichert hatte. Kaum war der Pin richtig lokalisiert, kam dann auch gleich ein Wagen.
Wir haben uns zum Candi Ratu Boko kutschieren lassen, welcher in der Nähe des Restaurants von Vorgestern liegt. Für einen komplett ungerechtfertigten Ausländereintrittspreis von ca. 25 EUR (inkl. einem Getränk) kann man ein paar Palastfundamente betrachten, die an Aztekenarchitektur erinnern und terrassenartig auf einem kleinen Berg angeordnet sind. Immerhin waren im Vergleich zu den anderen Sehenswürdigkeiten kaum Selfieleute da (was wohl auch daran liegt, dass Montag ist) und es war ruhig, einigermaßen grün und bot ein nettes Panorama.
Nächster Stop war der Candi Plaosan, der aus zwei mittelgroßen Tempeln besteht, die wieder in einem Feld von eingestürzten Stupas/Tempeln standen. Auch hier verirren sich nicht mehr viele Leute hin, obwohl es mit 3000 Rupiah (20ct) einen lächerlichen Eintritt kostet und die beiden Tempel durchaus ansehnlich sind.
Um noch etwas Zeit bis zum Flug heute Abend totzuschlagen, sind wir auf dem Rückweg zum Guesthouse noch bei einer kleinen Kaffeehauskette eingekehrt, die auf den Namen Starbucks hört. Aus denen kann wirklich mal was werden, denn z.B. mein Caramel Java Chips war grandios. Der Eiskaffe war mit Nussstückchen gefüllt, die kaum durch den Strohhalm passten und das Getränk ersetzte vom Kaloriengehalt her mehrere Mahlzeiten. Dazu gabs für mich noch eine rote Rolle, für den Welpen Marmorkuchen und den mittleren Hund Cinnemonroll.
Wir dachten, damit seien wir ausreichend gestärkt für die nächste Etappe, aber wir wurden doch etwas strapaziert.
Mit unserem vom Guesthouse abgeholten Gepäck (Verabschiedung mit vielen guten Wünschen und Gruppenfotos), gings pünktlich zum Flughafen. Wir hatten zwar Online-Check-In, aber man muss ja noch die Gepäckstücke abgeben. Das Warten in der Schlange dauerte schonmal so lange, dass wir eigentlich nicht mehr im entsprechenden Zeitfenster waren, aber das schien egal zu sein.
Und so kamen wir dann in den Wartebereich für alle vier Gates: Einfach ein größerer Saal mit typischen Flughafensitzen vollgestellt, umgeben von Shops und überdimensionalen Monitoren, auf denen synchron immer die gleich drei Werbespots liefen (teilweise mit Ton). Dazu eine Untermalungsschleife mit Javanesischem Gesang und einer brüllend lauten Ansage.
Offenbar sollen mit dieser Zermürbungsstrategie aus den Reisenden geheime Informationen herausgelockt werden, aber wir wurden nie gefragt (oder haben wir das schon wieder verdrängt?)
Jedenfalls kam unser Abflugszeitpunkt – und verstrich. Irgendwann stand dann auf der Anzeige, dass wir statt 20:50 um 22:30 fliegen sollten …
Irgendwann bekam ich dann Hunger und habe mir ein furchbares Nasi Goreng in einem etwas leiseren, aber trotzdem schrottigen Restaurant in einer Ecke besorgt. Just als es serviert wurde, kam die Durchsage, dass die verspäteten Passagiere sich was zu Futtern holen können. Es gab eine rote Pappschachtel mit einem panierten Viertelhuhn, einen Klumpen Reis und einen Joghurtbecher mit Trinkwasser. Das Huhn war erstaunlich gut und wir haben zumindest zwei von diesen Boxen noch vernichtet.
Gegen 23 Uhr saßen wir dann endlich weichgekocht und zu jedem Geheimnisverrat bereit im Flieger, den wir einfach durchs Latschen übers Rollfeld erreichten. Zu der freundlichen Begrüßung gabs über die Durchsage noch den Hinweis, dass Drogenschmuggel mit heftigen Strafen bis zur »Penalty of DEATH« bestraft würde. Die freundliche Stimme betonte das letzte Word leicht genüsslich, wahrscheinlich, weil sie wusste, dass es jetzt, im Flugzeug, zu schwer war, seine Drogenlieferung unauffällig verschwinden zu lassen.
Weil Bali in einer anderen Zeitzone liegt, sind wir dann erst gegen 1:30 dort gelandet. Das Gepäck war schnell am Band, wir haben trotz der späten Stunde schnell ein Grab (Taxi) gefunden und sind dann müde im zweiten Stock eines günstigen Tourihotels eingepennt.
24.7.2018 Denpasar: Tolles Aufwachen: Unsere schicke kleine Hütte auf Nusa Lemgongan, der kleinen Nebeninsel, wo wir unseren nächsten längeren Stopp machen wollten, teilt uns mit, dass wegen des Seegangs keine Fähre auf die Insel fährt. Grmpf. Also schauen wir, ob wir vielleicht einfach noch eine weitere Nacht hier bleiben können und dann morgen fahren. Aber zum einen können wir nicht bleiben, zum anderen heißt es, dass bis in ein paar Tagen keine Fähren mehr fahren. Grmpf. Also alles teuer canceln und umdisponieren. Innerhalb einer Dreiviertelstunde entscheiden wir, entgegen unserem eigentlichen Plan doch auf Bali zu bleiben und zwar in Amed am Nordostende. Dort soll es noch nicht allzu voll sein. Wir buchen per Smartphone etwas, was Platz für uns drei sowie gute Bewertungen hat und nicht allzuweit vom Strand ist (100m).
Wir organisieren uns also ein Grab und bringen die knapp 100km für 35 EUR in etwa 3 Stunden hinter uns. Unterwegs haben wir einen schönen Blick auf den Agung, der tatsächlich auch einige Rauchwolken ausstößt. Die Landschaft ist tatsächlich auch ziemlich schön, viele Reisfelder, Palmen, eine raue Küste und ein paar Berge. Außerdem sehr viele Figuren von hinduistischen Göttern und jede Menge Tempel aus dunklen Steinen im kantigen 8-Bit-Design. Ich schätze, hier kann man es aushalten, wenn man sich von den Massen etwas fernhält.
Am Ende der Insel dann sind wir endlich am Ziel: Strände aus schwarzem Lavasand und ein wirklich feines Zimmer mit einer schönen Terrasse zu einem kleinen Garten, nur 48m vom Strand, wie der Welpe nachgezählt hat. Hach!
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