Startbild

Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

Startbild

Welpenbummler

The blog formerly known as »Getürmt nach Hanoi«

Hinter ceylonesischen Sardinen

2017-08-28 Kandy – Ha, gerade hab ich festgestellt, dass hier ja noch ein Eintrag für den letzten Tag der Tour fehlt, also etwas verspätet:

Nach dem Packen und einem letzten Früchtefrühstück im Dambara Peak Hotel sind wir pünktlich zum Bahnhof aufgebrochen und waren auch fast 40 Minuten vor Abfahrt im Zug, nur um festzustellen, dass keine Sitzplätze mehr frei sind. Grumpf. Wann soll man denn dann da sein, um noch einen Platz zu kriegen?

Naja, dachten wir, normalerweise leeren sich die Züge ja im Laufe der vielen kleinen Haltestellen zwischen den größeren Städten. Also haben wir uns in den Gang gestellt und gewartet.

Drei lange Stunden gewartet.

Stehend im warmen Zug, der mitnichten leerer wurde, sondern langsam immer mehr einer Sardinendose glich … Ohne die Möglichkeit, wenigstens was von der schönen Landschaft zu sehen, die wir letztes Jahr auf derselben Strecke in der anderen Richtung genossen haben. Und natürlich wollten regelmäßig auch noch Vadai- oder Getränkeverkäufer durch den Wagen und quetschten sich, ihre Körbe balancierend durch die Massen und ihr Gepäck. Erst ein paar Minuten vor Ankunft wurde mir von einem Sri Lanker, der aussteigen wollte, ein Platz angeboten.

Eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, im vorletzten Bahnhof in Colombo auszusteigen, weil unser vorab gebuchtes Hotel gleich gegenüber gelegen hätte, aber es gab einfach kein Durchkommen zwischen den anderen Sardinen. Und mein Telefon hatte in der Mitte des Zuges schlechten GPS-Empfang, so dass wir uns auch nicht ganz sicher waren, ob wir am richtigen Ort waren. Also sind wir dann erst an der Endstation »Fort« ausgestiegen und mit einem Tuktuk wieder zurückgefahren.

Total platt kamen wir dann im Shalimar Hotel an, einem etwas altmodischen Laden, aber mit sehr freundlichem Team und einem gräumigen Zimmer mit Sesseln(!), Klimaanlage und guter Dusche. Nach einer guten Stunde Pause haben wir mit der Pickme-App ein Tuktuk gerufen. Natürlich hat der uns erstmal nicht gefunden, weil unser Hotel an einer großen, stark befahrenen Kreuzung liegt. Er hat uns angerufen, aber natürlich war es viel zu laut und er sprach viel zu wenig Englisch, um uns genau zu verabreden. Als wir dann schon die ersten Verhandlungen mit anderen Fahrern aufnahmen, hat er uns schließlich doch gefunden und gut gelaunt zum ODEL-Kaufhaus gefahren. Das ist das einzige, was in Colombo tatsächlich wie ein modernes Kaufhaus aussieht. Dementsprechend ist es voll mit finanzstarken ausländischen Shoppern (viele Araber, aber auch Chinesen und Japaner) – und uns. Der Welpe wollte nochmal kurz nach ein paar Kleidungsstücken gucken und wurde auch ein wenig fündig. Zwischen unserem ersten Besuch hier vor 5 Wochen und heute haben die Besitzer des ODELs mit dem Bau eines riesigen Shoppingcenters begonnen, der den Fotos am Bauzaun nach zu urteilen, schon noch sehr viel internationaler aufgestellt sein wird, als das zwar ganz ordentliche, aber doch vollgestopfte alte Haus.

Unsere Henkersmahlzeit in Sri Lanka waren dann ziemlich gute Burger und Pommes im angrenzenden, auf die finanzstarken Ausländer ausgerichteten Diner. Es kann leider nicht überall Chicken Kabul geben. Und Zeit, woanders hinzufahren, hatten wir dann leider auch nicht mehr, denn der Flug drohte.

Natürlich sind wir im Rückweg zum Hotel im Feierabendverkehr stecken geblieben und sind trotz aufkommenden Regens die letzten paar Hundert Meter zu Fuß zum Hotel gelatscht. Diese Stadt ist einfach mal wieder zu voll mit schlecht organisierten Verkehr. Uns blieb dann noch gut eine Stunde, um alle Hunde zu duschen, die Rucksäcke stabil zu packen, in die Reiseklamotten zu springen und uns auf den Weg zum Flughafen zu machen. Das Hotel hatte uns einen Wagen organisiert.

Der Fahrer fuhr eine ziemlich erratische Strecke auf kleinen Seitenstraßen und blieb natürlich ständig andauernd stecken, wenn mal wieder irgendwo ein Wagen beladen wurde, oder jemand uns entgegenkam. Natürlich wollte er dem Dauerstau auf den größeren Straßen ausweichen, aber ich bezweifle, dass sich das unterm Strich gelohnt hat. Nach gut einer halben Stunde hat er dann die ersten paar Prozent der Strecke zum Tollway überwunden und zu unserer enormen Erleichterung konnten wir die letzten ca. 25km in einer Viertelstunde abreißen.

Am Flughafen hat dann leider der während der Fahrt eingeschlafene Welpe seinen kleinen Tagesrucksack mit allen Reiseutensilien im Wagen liegen gelassen. Wir haben das gleich nach dem Aussteigen und Türenschließen bemerkt und hinter dem Fahrer hergerufen, aber der ist leider einfach weitergefahren. Die nächsten 20 Minuten haben wir dann damit verbracht, über das Hotel die Nummer des Fahrers zu bekommen und den anzurufen. Der meinte aber, in seinem Wagen läge nichts und hat später auch nicht mehr abgenommen. Dann war leider auch irgendwann unser Telefonguthaben aufgebraucht, der Flieger wartete und wir konnten nichts machen. Ein sehr sehr trauriger Welpen und zwei sehr ärgerliche Eltern machten sich dann also auf den Rückflug. Sehr blöd, dass dieser bescheuerte Fahrer (Samarakoon Arachchige Indika Chathuranga) der Firma Otoma Cabs uns am allerletzten Tag im allerletzten Moment den Abschied so versaut hat. Vor allem, weil alle anderen Sri Lanker ansonsten wirklich sehr freundlich, hilfbereit und ehrlich mit uns waren.

Zumindest die Flüge waren dann aber reibungslos. In Mumbay war die Zwischenlandung etwas holperig (dort herrschte heftiger Monsoonregen, der am nächsten morgen die ganze Stadt überflutet und ins Chaos gestürzt hat. Davon haben wir im blitzblanken und edlen Flughafen aber nichts mitbekommen. Mein letzter Besuch in Indien ist schon über 20 Jahre her, aber ich hatte nicht erwartet, das im Flughafen einfach gar nichts an das Indien von damals erinnert. Weder der indische Geruch noch die Neonröhrenbeleuchtung, noch die damals übliche Mode: Anzughose und helles Hemd mit Kugelschreiber, Schnurrbart und Flip-Flops für die Herren, Sari oder Punjabi, lange Haare als Zopf bis zur Hüfte für die Frauen. Statt dessen rein westliche Kleidung und Frisuren, topmoderne Anlagen überall, alles geschmackvoll und edel eingerichtet, Bagels und Burger, teure Shops. Die Flughäfen sind mittlerweile so individuell wie deutsche Innenstädte.

In Hamburg war schönes Wetter, auf Kilius mussten wir nicht lange warten, nach anderthalb Stunden waren wir am Hauptbahnhof und in nochmal 20 Minuten dann endlich zuhause.


Kommentare (0)


Kommentieren

Dieser Thread wurde geschlossen.


Stand With Ukraine. Stop Putin. Stop War.