Rumpelstilzchen
2017-08-24 von frischnetz | Comments (0)
2017-08-23 Trincomalee: Gegen Mittag sind wir von Uppuveli zunächst zum Busstand in Trinco getuktukert und dann eine halbe Stunde später mit dem Bus in etwa 4 Stunden 160 km nach Südwesten gefahren. Das klingt nach einem gemütlichen Rentnertempo, ist aber ein Beispiel darüber, wie wenig Durchschnittswerte über den tatsächlichen Verlauf aussagen. In Wirklichkeit war das wieder ein irrwitziges Gerase mit permanenten, den Führerschein kostenden Überholmanövern, auch bei minimalster Sicht, unterbrochen von hektischen Bremsmanövern, um Foltergäste ein- und aussteigen lassen zu können. Aber natürlich konnte das alles nur gutgehen, weil der Busfahrer gleich nach der Abfahrt am Hindutempel anhielt, um dort zu beten und Duftstäbchen und Blumenketten zu erwerben, die dann sorgfältig vor der Weiterfahrt vorne drapiert wurden. Während der Fahrt gab es natürlich dann auch laute Bollywood-Musik, das geht ja gar nicht anders
In Kurunegala wurden wir dann an einer ziemlich belebten Straße mit unseren Koffern rausgeworfen und standen erstmal da und schüttelten uns die Noten und Tablas aus den Ohren. Mit Google-Maps und einer Tuktuk-Rikscha, deren Fahrer gar keine Ahnung hatte, wo wir hin wollten, haben wir die Unterkunft dann doch gefunden. Begrüßt wurden wir von einem Schrank mit grauschwarzen Bart, der passables Deutsch sprach und einen schmalen aufgeregten Männchen, das vor Freude hüpfte und quietschte und uns die Zimmer zeigte.
Der Schrank hat, wie sich herausstellte, vor 20 Jahren für 22 Jahre in Berlin gelebt, die Maueröffnung miterlebt und als Profi-Fussballer für Waldhof Mannheim in der ersten und zweiten Bundesliga gespielt. (Wir versuchen nochmal den Namen herauszubekommen). Und er ist mitnichten der Besitzer des Hotels/Guest Houses, sondern nur sein Nachbar. Das Männchen ist der Chef hier.
Das Männchen hat uns dann nach unseren Wünschen mit Drumstickcurry, Kokos-Sambal und Reis bekocht (wir sind die einzigen Gäste hier – zu viele Gäste erfordern dann auch Mitarbeiter, das macht aber nur Probleme, also hat er nur ein Zimmer zur Zeit belegt, obwohl diverse vorhanden sind) und meinte nach dem Essen freudig hektisch, wir müssten mitkommen. Er wollte uns sein Haus zeigen (sehr schick, fast schon europäisch eingerichtet) und diverse Antiquitäten, die überall herumstehen: Grammophon, Leopardenfell, alte Gefäße, zwei Kutschen in der Garage, viele alte Koffer und Kisten und alle möglichen antiken Gebrauchsgegenstände usw. Wir erfuhren, dass das auch Filmrequisiten sind und er Künstler und auch Filmschauspieler ist. Uns wurden Stapel mit Fotos in seinen Filmrollen in die Hand gedrückt und er quietschte wieder sehr freudig. Alles sehr lustig!
Dann wollte er uns noch irgendwas zeigen und schleppte uns ins Haus seiner Nachbarin, die sehr freundlich war, aber offenbar genauso verwundert wie wir, warum er uns jetzt ihr vorstellt. Der Welpe war dann aber natürlich Entschädigung für die Störung und er wurde geherzt und gestreichelt und angelächelt. Die Töchter machten erstmal Fotos von ihr.
Wir aßen höflich noch ein paar von den angebotenen Keksen, lächelten und verabschiedeten uns dann auch wieder schnell.
Puuh. Was war denn daaas?
Leider hatte ich bei der Aktion keine Kamera dabei … also nur ein Bild vom Bus …
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