Im Flüchtlingsboot nach Titivu
2016-08-20 von frischnetz | Comments (1)
18.08.2016 – Jaffna – Um die Gegend etwas kennenzulernen, haben wir uns heute eine 3w-Tour über die Inseln Mandaitivu, Kayts, Punkudutivu nach Nainativu vorgenommen. Bis auf die letzte Insel kann man alle anderen tatsächlich mit Landfahrzeugen erreichen, weil sie mit teilweise kilometerlangen, schmalen Dämmen verbunden sind. Das Wasser rechts und links ist nicht sehr tief, teilweise haben Fischer dort Netze aufgestellt und fangen Fische mit Reusen. Obwohl die Distanzen nicht sehr groß sind, dauerte die Fahrt gut eine Stunde, weil die Straßen zwar geteert, aber noch nicht gefedert waren.
Die Inseln sind teilweise karg, teilweise mit Kokoswäldern bewachsen. Immer wieder sieht man hier noch Kriegsruinen. Und überall stehen mit großen Abständen kleine einfache Hütten und natürlich (hinduistische) Tempel.
Zur letzten Insel nimmt man eine Fähre, die von einem langen Anlegerdamm aus abfährt. Wir hatten das Glück, als erstes an Bord gehen zu können. Man bekommt eine abgewetzte Rettungsweste in die Hand gedrückt und quetscht sich dann unter Deck in ein flaches Boot mit niedriger Holzdecke und nur schmalen Luft- und Lichtöffnungen an der Seite, durch die niemand im Notfall klettern könnte. Mitten im Raum steht fast frei der ölige und sehr Dieselmotor, der das beim Ablegen vollkommen überladene Gefährt im bequemen Brustschwimmtempo auf die Insel bringt. Fast eine halbe Stunde dauert diese Tortour, die man größtenteils stehend in den reingewehten Abgasen verbringt. Und man ahnt ein kleines wenig, wie elend sich die Mittelmeerflüchtlinge fühlen müssen …
Da am niegelnagelneuen Anleger ein neuer Riesenbuddha gebaut wird, darf man von diesem keine Fotos machen (aha?), dahinter liegt erstmal ein Getränkestand, bei dem wir erstmal fast das komplette Sortiment der Firma Elephant House durchprobiert haben (Lemonade, Cream Soda, Lemon Soda, Ginger Beer). Wegen dieses Ladens waren wir aber nicht hier, sondern wegen des buddistischen Nagadeepa Purana Viharaya, wo Buddha angeblich selbst mal Sri Lankischen Boden betreten und diverse Wunder vollführt haben soll, und dem hinduistischen Nagapooshani Amman Kovil.
Ersterer zeichnete sich durch einen silbern angemalten Stupa aus, war aber sonst – dafür dass es sich um eines der wichtigsten buddhistischen Tempel im Lande handelt – nicht sehr spektakulär. An sich hätte dieser Besuch jeweils 500 LKR Eintritt gekostet, da ich aber kurz vorher in der Annahme, es handele sich um Eintritt schon 500 LKR gespendet hatte und also eine Spendenquittung vorweisen konnte, wurde uns der Eintritt erlassen.
Zum Gelände gehört auch ein kleines Museum, welches u.a. offenbar die Besitztümer eines berühmten Mönches ausstellte, also z.B. sein Bett, seine Lampe, sein Radio und seinen Fernseher, auf welchem er wahrscheinlich immer seine Soap-Operas geguckt hat. Es gab auch einen ausgestopften Gepard(?), der aussieht, als wenn die Oma, die mal das berühmte Jesus-Fresko übermalt hat, das Ausstopfen übernommen hätte.
Nach einem kleinen Fußmarsch in der prallen Mittagssonne kamen wir zum Hindu-Tempel, der ungleich interessanter war. Es war im Grunde eine kleinere Version des Nallur-Tempels, allerdings mit nur einem großen Gopuram, alles sehr sehr bunt und mit Unmengen Figuren geschmückt. Drinnen hieß es wieder: Männer, Hemden aus! Es war drinnen zwar nicht so brechend voll wie im Nallur, aber doch sehr gut besucht, wieder hatten die Frauen ihre aufwändigsten Saris an und die Männer trugen weiße Wickelröcke. Diverse Priester waren mit unterschiedlichen Handlungen beschäftigt und auch hier gab es laute Musik und leider auch ein striktes Fotoverbot :-(
Draußen streunerten Rinder umher und beträngten teilweise sehr forsch die Leute auf den Stufen. Einem Mann neben mir, der sich eines der kostenlosen Tempel-Essen (Curries mit Reis auf Bananenblatt) besorgt hatte, biss eine Kuh mitten in die Mahlzeit und mampfte dann unbesorgt alles in sich hinein, inklusive Bananenblatt.
Draußen vor dem Gopuram ging es zum zweiten Anleger dieser Insel, von wo die Leute wieder mit den gleichen Seelenverkäufern zurückfuhren. Wir besorgten uns ein Eis und ließen uns von Muscheltrompetenverkäufern nerven, die auf den Schneckenhäusern um die Wette tröteten.
Nach einer noch etwas längeren Bootsfahrt im gleichen Tempo ging es wieder an Land.
Mit dem 3w fuhren wir dann noch zu einem Strand am Nordrand der Insel, auf welchem das unterbeschäftigte Militär jetzt ein Strandresort betreibt. Kleiner Hund und Welpe badeten eine Runde im Meer (wie viele Sri Lanker auch), fanden den Boden aber zu korallig und steinig. Der Welpe schwamm daraufhin (gegen kleinen Eintritt) noch ein paar Runden alleine im Pool des Resorts, was bei den Locals für ein gewisses Hallo sorgte.
Anschließend fuhren wir bei Sonnenaufgang wieder zu Heyu und Micha und trafen uns mit denen in einem kleinen Restaurant zu ein paar Rolls, Kottu und String Hoppers.
Kommentare (1)
sister:
2016-08-22 um 10:00
Also ich würde mal sagen, Eindrücke ohne Ende!:)
Was sagt uns das?... Flöten kann jeder,... man muss halt nur am richtigen Ort sein!
Die Telecom_(Sonnenschirm)transparente sind ja auch manchmal praktisch;)
...ach... und to hus mal öfter über heiße Kohlen laufen...
Weiter so!
sister
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